Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall nach einer Pilzmahlzeit können harmlos sein – aber auch auf eine gefährliche Vergiftung hindeuten. Besonders tückisch: Einige Pilzgifte schädigen Leber oder Nieren, bevor deutliche Beschwerden auftreten. Eine vorübergehende Besserung bedeutet deshalb nicht immer Entwarnung. Die Experten von Tox Info Suisse erklären, welche Symptome ernst zu nehmen sind, was Betroffene sofort tun sollten und weshalb Pilzbestimmungs-Apps keine sichere Alternative zur offiziellen Pilzkontrolle sind.
Diese Fragen klärt der Artikel:
- Welche Symptome deuten auf eine Pilzvergiftung hin?
- Welche Warnzeichen sollten Betroffene besonders ernst nehmen?
- Wie schnell treten die Symptome einer Pilzvergiftung auf – und warum können Beschwerden erst viele Stunden oder sogar Tage nach dem Essen beginnen?
- Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall nach einer Pilzmahlzeit: Lassen sich eine Pilzvergiftung, verdorbene Pilze und eine Unverträglichkeit überhaupt selbst unterscheiden?
- Was sollte man bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort tun – auch ohne Symptome – und wann ist Tox Info Suisse unter 145 beziehungsweise der Notruf 144 die richtige Anlaufstelle?
- Welche Erste-Hilfe-Fehler sollte man vermeiden: Darf man Erbrechen auslösen, Milch trinken oder Aktivkohle auf eigene Faust einnehmen?
- Welche Angaben und Pilz- oder Mahlzeitreste helfen bei der Abklärung, und was sollten andere Personen tun, die dasselbe Pilzgericht gegessen haben?
- Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind einen unbekannten Pilz im Garten oder Wald in den Mund genommen oder verschluckt hat?
- Welche Giftpilze verursachen in der Schweiz besonders gefährliche Vergiftungen, und weshalb ist der Knollenblätterpilz so gefürchtet?
- Wie wird eine Pilzvergiftung im Spital festgestellt und behandelt, und gibt es wirksame Gegengifte?
- Wie lange dauert eine Pilzvergiftung, welche bleibenden Schäden sind möglich – und warum bedeutet eine vorübergehende Besserung nicht immer Entwarnung?
- Können auch essbare Pilze durch falsche Lagerung, rohen Verzehr oder erneutes Aufwärmen Beschwerden verursachen?
- Macht Kochen giftige Pilze unschädlich?
- Wie lässt sich eine Pilzvergiftung zuverlässig vermeiden?
- Wie sicher sind Pilzbestimmungs-Apps im Vergleich zur offiziellen Pilzkontrolle?
Welche Symptome deuten auf eine Pilzvergiftung hin?
Es gibt knapp 20 verschiedene Pilzvergiftungssyndrome. Viele davon verursachen Beschwerden des Magen-Darm-Trakts wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall. Einige Pilzgifte greifen jedoch auch die Leber, die Nieren, die Muskeln oder verschiedene Bereiche des Nervensystems an. Entsprechend unterschiedlich können die Symptome ausfallen.
Welche Warnzeichen sollten Betroffene besonders ernst nehmen?
Bei Pilzvergiftungen sind Symptome kein Indikator für die Schwere der Vergiftung. Betroffene können lange symptomfrei bleiben und dennoch an einer gefährlichen Vergiftung leiden. Umgekehrt können starke Magen-Darm-Beschwerden auftreten, obwohl die Vergiftung vergleichsweise harmlos ist und von selbst vorübergeht.
Wichtig: Wenn Sie nach einer Pilzmahlzeit unsicher sind oder eine Vergiftung vermuten, kontaktieren Sie Tox Info Suisse unter der Telefonnummer 145. Noch besser ist es, selbst gesammelte Pilze vor dem Verzehr von einer offiziellen Pilzkontrollstelle prüfen zu lassen und die Empfehlungen zur Zubereitung einzuhalten.
Wie schnell treten die Symptome einer Pilzvergiftung auf – und warum können Beschwerden erst viele Stunden oder sogar Tage nach dem Essen beginnen?
Der zeitliche Verlauf hängt von der Pilzart und der Wirkungsweise des jeweiligen Giftstoffs ab. Besonders tückisch sind z.B. Knollenblätterpilze, die erst nach 12-18 Stunden Symptome bewirken, welche sich anschliessend (vermeintlich) verbessern und danach wieder verschlechtern, da zu diesem Zeitpunkt bereits ein Leberschaden existiert. Auch bei nierenschädigenden Pilzen können typische Symptome erst nach mehreren Tagen auftreten. Bei bestimmten Pilzarten zeigen sich Beschwerden sogar erst, nachdem mehrere Pilzmahlzeiten gegessen wurden.
Übelkeit, Bauchschmerzen oder Durchfall nach einer Pilzmahlzeit: Lassen sich eine Pilzvergiftung, verdorbene Pilze und eine Unverträglichkeit überhaupt selbst unterscheiden?
Für Laien ist das schwierig. Fachpersonen können anhand der Beschwerden und ihres zeitlichen Verlaufs gewisse Rückschlüsse ziehen.
Lassen Sie selbst gesammelte Pilze vor dem Essen immer kontrollieren. Treten nach einer Pilzmahlzeit Beschwerden auf oder besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, kontaktieren Sie Tox Info Suisse unter 145.
Was sollte man bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort tun – auch ohne Symptome – und wann ist Tox Info Suisse unter 145 beziehungsweise der Notruf 144 die richtige Anlaufstelle?
Rufen Sie Tox Info Suisse unter 145 an – auch wenn noch keine Beschwerden aufgetreten sind. Die Fachpersonen beurteilen das Risiko und erklären Ihnen, welche weiteren Massnahmen notwendig sind.
Bei schweren oder lebensbedrohlichen Symptomen wie Atemnot, Bewusstlosigkeit oder ausgeprägten Kreislaufbeschwerden muss sofort der Notruf 144 alarmiert werden.
Welche Erste-Hilfe-Fehler sollte man vermeiden: Darf man Erbrechen auslösen, Milch trinken oder Aktivkohle auf eigene Faust einnehmen?
Lösen Sie kein Erbrechen aus und trinken Sie keine Milch. Nehmen Sie auch nicht auf eigene Faust Aktivkohle ein. Solche Massnahmen können ungeeignet sein oder zusätzliche Risiken verursachen.
Rufen Sie stattdessen Tox Info Suisse unter 145 an. Dort erfahren Sie, welche Massnahmen im konkreten Fall sinnvoll sind.
Welche Angaben und Pilz- oder Mahlzeitreste helfen bei der Abklärung, und was sollten andere Personen tun, die dasselbe Pilzgericht gegessen haben?
Bewahren Sie möglichst alles auf, was mit der Pilzmahlzeit zusammenhängt. Dazu gehören:
- nicht zubereitete Pilze
- Rüstabfälle und Putzreste
- Reste der Mahlzeit
- wenn möglich auch Erbrochenes
Diese Materialien können Fachpersonen dabei helfen, den Pilz zu bestimmen und die richtige Behandlung einzuleiten. Informieren Sie ausserdem alle Personen, die vom selben Pilzgericht gegessen haben. Je nach vermuteter Pilzart müssen auch symptomfreie Personen abgeklärt und behandelt werden.
Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind einen unbekannten Pilz im Garten oder Wald in den Mund genommen oder verschluckt hat?
Hat das Kind nur ein Pilzstück verschluckt, das kleiner als 1 cm² ist, sind gemäss Tox Info Suisse keine weiteren Massnahmen erforderlich. Bei einem grösseren Pilzstück oder mehreren kleinen Stücken, die zusammen mehr als 1 cm² ergeben, sollten Eltern Tox Info Suisse unter 145 kontaktieren.
Entscheidend ist dann, einen amatoxinhaltigen Pilz – beispielsweise einen Knollenblätterpilz – möglichst schnell auszuschliessen. Geben Sie dem Kind Aktivkohle nur nach Rücksprache mit Tox Info Suisse oder einer Ärztin beziehungsweise einem Arzt.
Weitere Hinweise bietet der Beitrag «Kinderunfall mit unbekannten Pilzen» von Tox Info Suisse.
Welche Giftpilze verursachen in der Schweiz besonders gefährliche Vergiftungen, und weshalb ist der Knollenblätterpilz so gefürchtet?
Besonders gefürchtet ist der Knollenblätterpilz weil sein Gift zu schwerem Leber- und Nierenversagen führen kann. Das Gefährliche daran ist, dass die Beschwerden verzögert auftreten. Für ein möglichst gutes Behandlungsergebnis sollte die Therapie mit dem Gegengift bereits beginnen, bevor erste Symptome auftreten.
Auch nierenschädigende Pilzvergiftungen können bleibende Schäden verursachen. Zudem gibt es einige seltene und noch nicht vollständig geklärte Todesfälle im Zusammenhang mit Morcheln. Deshalb gilt: Lassen Sie selbst gesammelte Pilze immer von einer offiziellen Pilzkontrollstelle prüfen und halten Sie die Vorgaben zur Zubereitung genau ein.
Wie wird eine Pilzvergiftung im Spital festgestellt und behandelt, und gibt es wirksame Gegengifte?
Bei einer möglichen Vergiftung durch amatoxinhaltige Pilze steht ein wirksames Gegengift zur Verfügung. Dieses muss so früh wie möglich verabreicht werden. Kann eine Amatoxinvergiftung nicht sicher ausgeschlossen werden, beginnt die Behandlung vorsorglich und wird fortgeführt, bis der Verdacht entkräftet ist.
Ein Ausschluss ist möglich, wenn eine Notfallpilzexpertin oder ein Notfallpilzexperte bestätigt, dass kein amatoxinhaltiger Pilz gegessen wurde. Auch eine Urinanalyse kann Aufschluss geben. Dieser Nachweis ist jedoch aufwendig, komplex und kostspielig. Das Ergebnis liegt häufig nicht innerhalb von 24 Stunden vor.
Andere Pilzvergiftungen werden in der Regel symptomatisch behandelt. Das bedeutet, dass die medizinischen Massnahmen gezielt gegen die auftretenden Beschwerden gerichtet sind.
Wie lange dauert eine Pilzvergiftung, welche bleibenden Schäden sind möglich – und warum bedeutet eine vorübergehende Besserung nicht immer Entwarnung?
Verlauf und Dauer hängen vom Giftstoff und von der aufgenommenen Menge ab. Das Beispiel des Knollenblätterpilzes zeigt, dass eine vorübergehende Besserung nicht immer Entwarnung bedeutet.
Je nach Vergiftung können bleibende Schäden entstehen. Eine geschädigte Leber erholt sich häufig entweder relativ rasch und vollständig oder gar nicht. Nierenschäden bessern sich dagegen meist nur langsam über Wochen oder Monate. Bei manchen Betroffenen bleibt die Nierenfunktion dauerhaft eingeschränkt.
Können auch essbare Pilze durch falsche Lagerung, rohen Verzehr oder erneutes Aufwärmen Beschwerden verursachen?
Ja. Auch essbare Pilze können bei falscher Lagerung, ungenügender Zubereitung oder rohem Verzehr Beschwerden verursachen. Deshalb sollten Pilze sachgerecht gelagert und entsprechend den jeweiligen Empfehlungen ausreichend lange eingeweicht oder gekocht werden.
Macht Kochen giftige Pilze unschädlich?
Nur bei bestimmten Giftstoffen. Einige Pilzgifte werden durch ausreichendes Erhitzen zerstört, andere bleiben auch nach dem Kochen wirksam. Giftige Pilze dürfen deshalb keinesfalls allein im Vertrauen auf die Zubereitung gegessen werden.
Wie lässt sich eine Pilzvergiftung zuverlässig vermeiden?
Die wichtigsten Vorsichtsmassnahmen sind:
- Lassen Sie selbst gesammelte Pilze immer von einer offiziellen Pilzkontrollstelle begutachten. So lässt sich eine schwere Vergiftung durch falsch bestimmte Pilze verhindern.
- Halten Sie sich bei selbst gesammelten und gekauften Pilzen genau an die Empfehlungen zur Zubereitung.
- Beachten Sie insbesondere die angegebenen Zeiten zum Einweichen und Kochen.
- Essen Sie keine Pilze, die Sie nicht zweifelsfrei bestimmen lassen konnten.
Wie sicher sind Pilzbestimmungs-Apps im Vergleich zur offiziellen Pilzkontrolle?
Pilzbestimmungs-Apps sind nicht zuverlässig genug, um über die Essbarkeit eines Pilzes zu entscheiden. Im Alltag von Tox Info Suisse zeigt sich immer wieder, dass solche Anwendungen Pilze falsch bestimmen. Verlassen Sie sich deshalb keinesfalls allein auf eine App. Lassen Sie selbst gesammelte Pilze von einer offiziellen Pilzkontrollstelle prüfen.