Hohe Temperaturen können den Kreislauf belasten und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Mit der richtigen Vorbereitung und einem bewussten Verhalten lassen sich die meisten Hitzenotfälle jedoch vermeiden. Med. pract. Kareen Bührmann, Leitende Ärztin des Notfallzentrums am Spital Limmattal, beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Hitzschlag, Sonnenstich, Flüssigkeitsmangel und Sonnenschutz – und gibt praktische Tipps für heisse Tage.
Folgende Fragen werden im Artikel geklärt:
- Wie erkennt man einen Hitzschlag oder Sonnenstich und was ist der Unterschied?
- Welche Symptome bei Hitzschlag oder Sonnenstich sollte man unbedingt ernst nehmen?
- Ab wann wird Hitze für den Körper wirklich gefährlich?
- Warum reagieren manche Menschen deutlich empfindlicher auf Hitze als andere?
- Welche Rolle spielt Flüssigkeitsmangel (Dehydration) bei Notfällen im Sommer – und wieviel sollte man bei Hitze wirklich trinken?
- Woran erkennt man Dehydratation oder einen beginnenden Kreislaufkollaps frühzeitig?
- Welche Getränke eignen sich bei grosser Hitze besonders gut – und welche eher nicht?
- Welche typischen Fehler machen Menschen in den Sommerferien oder beim Wandern in der Hitze?
- Wie wichtig ist richtiger Sonnenschutz – und was wird dabei häufig unterschätzt?
- Was tun bei einem Hitzschlag, Sonnenstich oder Kreislaufkollaps?
- Wann wird aus einem Sonnenstich oder Hitzschlag ein medizinischer Notfall?
- Wie gefährlich können Hitzschlag und Dehydratation für Kinder oder ältere Menschen werden?
- Wie kann man sich auf Reisen, im Auto, am Strand oder beim Wandern am besten vor Hitzenotfällen schützen?
- Warum wird Hitze im Auto so schnell gefährlich?
- Ihr wichtigster Tipp: Wie kommt man gesund und sicher durch heisse Sommertage und Sommerferien?
- Die Expertin
Wie erkennt man einen Hitzschlag oder Sonnenstich und was ist der Unterschied?
Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken. Die Beschwerden treten häufig erst einige Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne auf. Mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, gelegentlich Erbrechen, ein geröteter Kopf sowie Nackensteifigkeit. Die Körpertemperatur ist dabei meist normal oder nur leicht erhöht.
Ein Hitzschlag hingegen ist ein medizinischer Notfall. Dabei versagt die körpereigene Temperaturregulation, wodurch die Körpertemperatur auf bis zu 40 Grad Celsius ansteigen kann. Der gesamte Organismus überhitzt. Betroffene wirken oft verwirrt oder desorientiert, können Krampfanfälle erleiden oder das Bewusstsein verlieren.
Welche Symptome bei Hitzschlag oder Sonnenstich sollte man unbedingt ernst nehmen?
Warnzeichen sind vor allem Verwirrtheit, Bewusstseinsveränderungen oder eine deutlich erhöhte Körpertemperatur nach einer Hitzeexposition. Diese Symptome sprechen insbesondere für einen Hitzschlag und erfordern umgehend eine ärztliche Abklärung.
Auch wenn unklar ist, ob ein Sonnenstich oder bereits ein Hitzschlag vorliegt, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Ab wann wird Hitze für den Körper wirklich gefährlich?
Gefährlich wird Hitze, wenn Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder starkes Durstgefühl auftreten. Diese Symptome zeigen, dass die körpereigene Temperaturregulation zunehmend an ihre Grenzen kommt.
Warum reagieren manche Menschen deutlich empfindlicher auf Hitze als andere?
Wie gut der Körper Hitze ausgleichen kann, ist individuell unterschiedlich. Besonders gefährdet sind ältere Menschen sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder anderen chronischen Erkrankungen. Auch bestimmte Medikamente können das Schwitzen, den Flüssigkeitshaushalt oder die Anpassung des Kreislaufs beeinträchtigen.
Wer zu wenig trinkt oder hohe Temperaturen nicht gewohnt ist, reagiert ebenfalls empfindlicher auf Hitze. Zudem haben hellhäutige Menschen einen geringeren natürlichen Schutz vor UV-Strahlung und erleiden schneller Sonnenschäden oder Überhitzung.
Welche Rolle spielt Flüssigkeitsmangel (Dehydration) bei Notfällen im Sommer – und wieviel sollte man bei Hitze wirklich trinken?
Bei hohen Temperaturen verliert der Körper durch Schwitzen deutlich mehr Flüssigkeit als gewöhnlich. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, kann es zu Kreislaufproblemen, Leistungsabfall oder sogar zu Verwirrtheit kommen.
Gesunde Erwachsene sollten an heissen Tagen mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit trinken. Bei körperlicher Anstrengung oder starkem Schwitzen steigt der Bedarf entsprechend an.
Woran erkennt man Dehydratation oder einen beginnenden Kreislaufkollaps frühzeitig?
Eine beginnende Dehydratation äussert sich zunächst oft unspezifisch – etwa durch Durst, einen trockenen Mund, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder verminderte Leistungsfähigkeit.
Droht ein Kreislaufkollaps, kommen Schwindel, insbesondere beim Aufstehen, Schwarzwerden vor den Augen, Herzklopfen, Schwäche oder Benommenheit hinzu.
Welche Getränke eignen sich bei grosser Hitze besonders gut – und welche eher nicht?
Ideal sind Wasser, Mineralwasser, ungesüsster Tee oder leichte Saftschorlen. Wer stark schwitzt, kann zusätzlich elektrolythaltige Getränke trinken.
Weniger geeignet sind Energydrinks, stark gezuckerte Softdrinks, Alkohol sowie eiskalte Getränke.
Wichtig ist vor allem, regelmässig über den Tag verteilt zu trinken. Wasserreiche Lebensmittel wie Melonen oder Gurken können die Flüssigkeitsaufnahme sinnvoll ergänzen, ersetzen Getränke jedoch nicht.
Welche typischen Fehler machen Menschen in den Sommerferien oder beim Wandern in der Hitze?
Viele unterschätzen die Wirkung von Sonne und Hitze. Ein leichter Wind – etwa am Meer – lässt die Temperaturen oft angenehmer erscheinen, obwohl der Körper weiterhin stark belastet wird.
Zu den häufigsten Fehlern gehören unzureichender Sonnenschutz, fehlende Kopfbedeckungen, zu spätes oder zu wenig Trinken sowie intensive körperliche Aktivitäten während der Mittagshitze.
Wie wichtig ist richtiger Sonnenschutz – und was wird dabei häufig unterschätzt?
Wirksamer Sonnenschutz besteht aus mehreren Massnahmen. Dazu gehören Schatten, eine Kopfbedeckung, UV-schützende Kleidung oder ein Sonnenschirm sowie das regelmässige Auftragen von Sonnencreme. So lässt sich nicht nur Sonnenbrand vermeiden, sondern auch das Risiko für langfristige Hautschäden wie Hautkrebs reduzieren.
Sonnencreme wird häufig zu sparsam aufgetragen. Zudem sollte sie 15 bis 30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien oder vor dem Baden aufgetragen werden, damit sie ausreichend einziehen kann. Körperstellen wie Ohren, Nacken oder der Haarscheitel werden dabei oft vergessen.
Einmaliges Auftragen von Sonnencreme hält nicht den ganzen Tag – insbesondere nicht in Kombination mit im Schwimmen oder starkem Schwitzen. Die Sonnencreme sollte darum regelmässig neu aufgetragen werden. Wichtig ist ausserdem: Nachcremen erhöht und verlängert den Lichtschutzfaktor nicht.
Empfohlen wird heute ein Lichtschutzfaktor von mindestens 30, besser 50 oder höher. UV-Schutzkleidung bietet zusätzlichen Schutz, ersetzt Sonnencreme auf unbedeckter Haut jedoch nicht.
Und nicht zuletzt gilt: ausreichend trinken!
Was tun bei einem Hitzschlag, Sonnenstich oder Kreislaufkollaps?
Betroffene sollten sofort aus der Sonne in den Schatten oder in einen kühlen Raum gebracht werden. Kopf und Nacken können mit feuchten Tüchern gekühlt, enge Kleidung gelockert und – sofern die Person bei Bewusstsein ist – Wasser angeboten werden.
Bei starken Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder einem Kreislaufkollaps sollte umgehend der Rettungsdienst unter 144 alarmiert werden.
Wann wird aus einem Sonnenstich oder Hitzschlag ein medizinischer Notfall?
Treten neurologische Symptome wie Verwirrtheit, starke Benommenheit, Schläfrigkeit, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen auf oder besteht hohes Fieber, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Ein Hitzschlag muss immer sofort ärztlich behandelt werden.
Wie gefährlich können Hitzschlag und Dehydratation für Kinder oder ältere Menschen werden?
Kinder und ältere Menschen zählen zu den besonders gefährdeten Personengruppen. Sie können acihre Körpertemperatur schlechter regulieren und bemerken Durst oder Überhitzung oft zu spät.
Ältere Menschen verspüren häufig weniger Durst und trinken deshalb zu wenig. Kinder wiederum erwärmen sich schneller als Erwachsene und spielen oft weiter, obwohl sie bereits überhitzt sind. Zudem benötigen sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Flüssigkeit.
Gerade für diese beiden Gruppen ist deshalb eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig.
Wie kann man sich auf Reisen, im Auto, am Strand oder beim Wandern am besten vor Hitzenotfällen schützen?
Wer genügend trinkt, regelmässig Schatten aufsucht, einen guten Sonnenschutz verwendet und körperliche Aktivitäten möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt, kann das Risiko deutlich reduzieren. Bei längeren Aufenthalten im Freien sollten zudem regelmässige Pausen eingeplant werden.
Warum wird Hitze im Auto so schnell gefährlich?
Ein Auto wirkt in der Sonne wie ein Treibhaus. Selbst bei Aussentemperaturen von etwa 20 Grad Celsius kann sich der Innenraum innerhalb kurzer Zeit stark aufheizen.
Deshalb gilt: Ein stehendes Auto sollte bei Hitze möglichst rasch verlassen werden. Kinder oder Haustiere dürfen niemals im Fahrzeug zurückgelassen werden – auch nicht für wenige Minuten.
Ihr wichtigster Tipp: Wie kommt man gesund und sicher durch heisse Sommertage und Sommerferien?
Den einen entscheidenden Tipp gibt es nicht. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Schutzmassnahmen: ausreichend trinken, Schatten aufsuchen, Sonnenschutz konsequent anwenden, auf Warnsignale des Körpers achten und bei ersten Beschwerden rechtzeitig reagieren. Körperliche Anstrengungen sollten möglichst nicht in die Mittagshitze gelegt werden. Wer seinem Körper regelmässig Pausen gönnt und sich vor der direkten Sonne schützt, kommt deutlich sicherer durch heisse Sommertage.
