Reisen im Alter: Was Senioren vor den Ferien gesundheitlich beachten sollten

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Adobe, Senioren Reisen
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Quelle: TCS MyMed

Ob Flugreise, Kreuzfahrt oder Ferien im Ausland – mit zunehmendem Alter wird die gesundheitliche Vorbereitung einer Reise wichtiger. Welche medizinischen Check-ups sinnvoll sind, welche Impfungen überprüft werden sollten und worauf Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen achten müssen, erklären Mediziner Nadine Eube Pusch und Thomas Degen vom Zentrum für Altersmedizin und Palliative Care des Spitals Affoltern. Im Interview geben die Experten praktische Tipps, wie Reisen auch im hohen Alter sicher, entspannt und gut planbar bleiben.

Folgende Fragen werden im Artikel geklärt:

Welche gesundheitlichen Vorbereitungen und Check-ups sollten Senioren vor einer Reise grundsätzlich machen?

Seniorinnen und Senioren sind keine einheitliche Gruppe – deshalb sollte jede Reisevorbereitung individuell auf den Gesundheitszustand abgestimmt werden. Empfehlenswert ist es, bereits zu Beginn der Reiseplanung einen Termin beim Hausarzt zu vereinbaren. Dabei können wichtige Fragen geklärt werden, etwa ob Impfungen aufgefrischt oder reiselandspezifische Impfungen nötig sind, ob die geplanten Aktivitäten der körperlichen Belastbarkeit entsprechen und ob gegebenenfalls Spezialisten für Tropen-, Tauch- oder Höhenmedizin beigezogen werden sollten. Ebenso sollten Transportdauer, die bestehende Medikation inklusive Reiseapotheke sowie mögliche Einfuhrbestimmungen für Medikamente besprochen werden.

Wichtig ist ausserdem, sich über die medizinische Versorgung im Reiseland und einen ausreichenden Auslandskrankenversicherungsschutz inklusive Rücktransport zu informieren. Bei gebrechlicheren älteren Menschen kann zusätzlich eine Beurteilung der Mobilität, des Sturzrisikos und der Selbstständigkeit sinnvoll sein.

Welche Rolle spielen bestehende Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme bei der Reiseplanung?

Chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen grundsätzlich kein Hindernis für eine Reise dar, sofern sie gut eingestellt und über längere Zeit stabil sind. Entscheidend ist, dass Betroffene ihre Medikamente sicher anwenden können und wissen, wie sie bei Abweichungen oder Erkrankungen reagieren müssen. Dazu gehört auch das Wissen über sogenannte Sick-Day-Regeln, also darüber, welche Medikamente bei Fieber oder Durchfall vorübergehend pausiert werden sollten.

Menschen mit Bluthochdruck müssen insbesondere bei Hitze oder Flüssigkeitsmangel auf mögliche Anpassungen der Therapie achten. Diabetiker sollten auf regelmässige Mahlzeiten achten, ausreichend Medikamente und Messmaterial mitführen sowie Zeitverschiebungen bei der Insulin- oder Tabletteneinnahme berücksichtigen. Wer an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leidet, sollte vor Fernreisen oder Reisen mit besonderen körperlichen Belastungen die Reisetauglichkeit mit dem behandelnden Arzt besprechen. 

Grundsätzlich gilt: Je instabiler eine Erkrankung ist, desto sorgfältiger sollte die Reise geplant werden.

Welche Impfungen und medizinische Unterlagen sollten vor einer Reise überprüft werden?

Da die Leistungsfähigkeit des Immunsystems im Alter nachlässt, gewinnen Impfungen zunehmend an Bedeutung. Unabhängig von einer Reise werden für Menschen ab 65 Jahren regelmässige Impfungen gegen Grippe und COVID-19 sowie Impfungen gegen Pneumokokken, Gürtelrose und die Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis – je nach Reiseziel ergänzt durch Polio – empfohlen.

Je nach Destination können zusätzlich Impfungen gegen Hepatitis A und B, Tollwut, Gelbfieber, FSME oder Dengue sinnvoll sein. Neben dem Impfschutz sollten Reisende wichtige medizinische Unterlagen mitführen. Dazu gehören:

  • eine aktuelle Medikamentenliste
  • eine Diagnoseübersicht
  • ein Notfallpass bei Diabetes oder Allergien 
  • der Impfpass
  • Notfallkontakte
  • der Versicherungsnachweis einer Auslandskrankenversicherung
  • ärztliche Bescheinigungen für spezielle Medikamente oder medizinische Hilfsmittel

Was sollten ältere Reisende beim Mitführen und Einnehmen von Medikamenten beachten – insbesondere bei Flugreisen oder Zeitverschiebung?

Medikamente sollten grundsätzlich im Handgepäck transportiert und in ausreichender Menge für die gesamte Reise sowie mit einer zusätzlichen Reserve mitgeführt werden. Idealerweise bleiben sie in der Originalverpackung und sind mit einer aktuellen Medikamentenliste sowie – falls erforderlich – einer ärztlichen Bescheinigung für den Zoll oder die Einreisebehörden ergänzt. Dies gilt insbesondere für Insulin, Spritzen, Betäubungsmittel oder Psychopharmaka.

Da die gesetzlichen Bestimmungen je nach Reiseland unterschiedlich sind, sollten mögliche Einfuhrbeschränkungen frühzeitig abgeklärt werden. Bei Reisen über mehrere Zeitzonen ist besondere Vorsicht bei Medikamenten wie Insulin, bestimmten Diabetesmedikamenten, Gerinnungshemmern oder Medikamenten mit festen Einnahmeintervallen geboten. Änderungen des Einnahmeschemas sollten niemals in Eigenregie erfolgen, sondern immer vorgängig mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Welche gesundheitlichen Risiken bergen lange Flugreisen oder Zug-/Autofahrten im Alter – und wie kann man ihnen vorbeugen?

Das grösste gesundheitliche Risiko langer Reisen ist die lang andauernde Immobilität. Diese erhöht das Risiko für Thrombosen und Embolien, begünstigt Flüssigkeitsmangel mit Kreislaufproblemen und kann zu Muskelabbau sowie Steifigkeit führen, was wiederum das Sturzrisiko erhöht. Um diesen Beschwerden vorzubeugen, sollten Reisende spätestens alle zwei Stunden aufstehen und sich bewegen oder zumindest Fuss- und Wadenübungen im Sitzen durchführen. Zudem empfiehlt sich eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, der Verzicht auf Alkohol sowie – insbesondere bei erhöhtem Risiko – das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Eine medikamentöse Thromboseprophylaxe ist nur bei bestimmten Risikopatienten sinnvoll und sollte vor der Reise ärztlich abgeklärt werden.

Wie wirken sich Hitze, Klimawechsel und körperliche Belastung auf ältere Reisende aus – worauf sollte man achten?

Hitze und Klimawechsel stellen für den Körper grundsätzlich eine Belastung dar, ältere Menschen reagieren jedoch häufig empfindlicher darauf. Gründe dafür sind:

  • chronische Erkrankungen
  • bestimmte Medikamente
  • ein vermindertes Durstgefühl
  • die Einnahme von entwässernden Medikamenten

Dadurch steigt das Risiko für Austrocknung, Schwindel, Stürze, Verwirrtheit oder sogar einen Hitzschlag. Um dies zu vermeiden, sollten ältere Reisende regelmässig trinken, körperliche Aktivitäten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen, konsequent Sonnenschutz verwenden und klimatisierte Rückzugsmöglichkeiten nutzen. Warnzeichen wie Schwindel, Schwäche oder Verwirrtheit sollten ernst genommen werden. Besonders bei Hitzewellen ist erhöhte Vorsicht geboten, da diese heute zu den bedeutendsten klimabedingten Gesundheitsrisiken für ältere Menschen zählen.

Welche typischen Fehler sollten ältere Reisende bei der medizinischen Vorbereitung ihrer Ferien vermeiden und was sollte man tun, wenn plötzlich gesundheitliche Probleme auftreten?

Ein häufiger Fehler kann sein, dass ältere Menschen vor einer Reise keine reisemedizinische Beratung beim Hausarzt in Anspruch nehmen. Dadurch werden chronische Erkrankungen unter Umständen nicht ausreichend überprüft, Impfungen sind nicht aktuell oder Medikamente werden in zu geringer Menge mitgenommen.

Auch ein fehlender Auslandskrankenversicherungsschutz, mangelnde Vorbereitung auf Hitze oder fehlende Notfallinformationen können problematisch sein. Kommt es während der Reise zu gesundheitlichen Beschwerden, sollten Mitreisende oder die Reiseleitung umgehend informiert und rasch medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Besonders bei Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungserscheinungen, plötzlicher Verwirrtheit, schweren Infektionen, Stürzen, anhaltendem Erbrechen oder Durchfall sowie Fieber ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.

Wichtig ist zudem zu wissen, dass schwere Erkrankungen bei älteren Menschen oft untypisch verlaufen und sich zunächst lediglich durch Schwäche oder Verwirrtheit bemerkbar machen können.

Wichtigster Tipp: Wie bleiben Reisen auch im Alter sicher, entspannt und gesundheitlich gut planbar?

Das Alter allein entscheidet nicht darüber, ob jemand reisen kann – ausschlaggebend sind der individuelle Gesundheitszustand und eine sorgfältige Vorbereitung. Deshalb sollte bereits zu Beginn der Reiseplanung eine reisemedizinische Beratung beim Hausarzt erfolgen. Gut geplante Reisen können auch im hohen Alter einen wertvollen Beitrag zur Lebensqualität, Mobilität, sozialen Teilhabe und zum psychischen Wohlbefinden leisten.

Voraussetzung dafür sind eine realistische Reiseplanung, gut eingestellte chronische Erkrankungen, ausreichende Reserven an Medikamenten und eine Organisation, die genügend Flexibilität bietet. Ebenso wichtig ist es, das Reisetempo den eigenen körperlichen Möglichkeiten anzupassen. Wer diese Grundsätze beachtet, kann auch im hohen Alter sicher und mit Freude reisen.

Die Experten

Nadine Eube Pusch

Nadine Eube Pusch, Spital Affoltern 

Oberärztin Zentrum für Altersmedizin und Palliative Care, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin

 

Thomas Degen

Thomas Degen, Spital Affoltern 

Leitender Arzt Zentrum für Altersmedizin und Palliative Care, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, spez. Geriatrie

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

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