Reiseimpfungen 2026: Was Sie jetzt wissen müssen – Expertin PD Dr. med. Esther Künzli klärt auf

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Impfausweis
Impfausweis
Quelle: TCS MyMed

Reisen macht nur dann richtig Freude, wenn man gesund bleibt. Damit das so bleibt, gehört eine aktuelle Impfberatung zur Reiseplanung unbedingt dazu. PD Dr. med. Esther Künzli, Co-Leiterin des Zentrums für Tropen- und Reisemedizin am Swiss TPH, spricht über sinnvolle Kombi-Impfstoffe, die Bedeutung von Auffrischungen – und weshalb man den Impfschutz lieber vor der Buchung prüfen sollte.

Frau Künzli, welche neuen Impfempfehlungen oder Pflichtimpfungen gibt es 2026 für Reisende?
Impfungen, die für die Einreise in gewisse Länder obligatorisch sein können, sind die Gelbfieberimpfung, die von einigen Ländern verlangt wird, sowie die Vierfach-Impfung gegen Meningokokken für Personen, die eine Pilgerreise nach Saudi-Arabien machen (Hajj/Umra). Das sind jedoch keine neuen Empfehlungen.

Welche Impfungen sind für tropische und fernere Reiseziele besonders wichtig?
Unabhängig vom Reiseland sollten die Grundimpfungen gemäss Schweizer Impfplan aktualisiert sein. Zusätzlich wird für die meisten Reiseländer eine Impfung gegen Hepatitis A empfohlen. Ebenfalls empfehlenswert ist die Impfung gegen Tollwut, da relativ viele Reisende von Säugetieren gebissen oder gekratzt werden, was als mögliche Tollwut-Exposition gilt. Weitere Impfungen sind abhängig von Reiseland, Reisedauer und Art der Reise.

Wie früh sollte man mit der Impfplanung vor einer Reise beginnen – und warum?
Wenn man mit den Grundimpfungen auf dem aktuellen Stand ist, reicht es in der Regel, wenn man sich 1-2 Monate vor der Reise beraten lässt. Wenn man jedoch schon lange nicht mehr geimpft wurde oder nicht weiss, wie es um den eigenen Impfschutz steht, lohnt es sich unter Umständen, schon früher zu kommen. Das gilt auch, wenn man z. B. Grunderkrankungen hat oder Medikamente einnehmen muss. In diesen Fällen ist es empfehlenswert, sich beraten zu lassen, bevor man die Reise bucht. Aber auch wenn man die Beratung vergessen hat und bereits in einigen Tagen abreist, kann eine Beratung immer noch sinnvoll sein.

Welche Impfungen werden häufig vergessen oder unterschätzt?
Oft wird die Wichtigkeit der Grundimpfungen vergessen bzw. unterschätzt. Und die sogenannten «Kinderkrankheiten» wie z. B. Masern werden unterschätzt. Das sind potenziell gefährliche Erkrankungen, an denen man auch als Erwachsener erkranken kann, wenn man keinen adäquaten Impfschutz hat.

Wie sinnvoll sind Kombinationsimpfstoffe aus medizinischer Sicht?
Aus medizinischer Sicht machen Kombinationsimpfungen sehr viel Sinn, weil sie die Immunisierung von Kindern und Erwachsenen gegen die wichtigsten impfpräventablen Erkrankungen deutlich vereinfachen.  

Welche Rolle spielen Alter, Vorerkrankungen oder Schwangerschaft bei der Impfentscheidung?
Für unterschiedliche Altersgruppen werden, v.a. bei den Impfungen im Standardimpfplan, teilweise unterschiedliche Impfungen empfohlen. So sollten beispielsweise Teenager gegen Humane Papillomaviren (die Gebärmutterhalskrebs verursachen können) geimpft werden, während z. B. Personen über 65 Jahre gegen Herpes zoster («Gürtelrose») oder Pneumokokken (Erreger einer bakteriellen Lungenentzündung) geimpft werden sollten.  

In einer Schwangerschaft werden in der Regel keine Lebendimpfstoffe verabreicht (z. B. Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln), Totimpfstoffe (z. B. die Impfung gegen Hepatitis A) können problemlos gemacht werden, wenn jemand ein entsprechendes Risiko hat. Zusätzlich werden in der Schwangerschaft auch explizit Impfungen empfohlen, wie z. B. in den Wintermonaten die Impfung gegen COVID-19 und Grippe, sowie in jedem Fall die Impfung gegen Keuchhusten. 

Impfplanung: Wann beginnen?

  • Optimal: 1–2 Monate vor der Reise
  • Früher: wenn Impfausweis unvollständig, chronische Erkrankung oder Medikamente
  • Auch kurzfristig: Beratung lohnt sich selbst kurz vor Abreise 

Wie relevant sind Auffrischimpfungen – etwa gegen Gelbfieber – für Reisende?
Die Impfungen sollten immer aktualisiert sein. Es gibt Impfungen, bei denen nach einer abgeschlossenen Grundimmunisierung keine weiteren Dosen notwendig sind. Bei anderen Impfungen sollten regelmässige Booster-Dosen verabreicht werden. Bei der Gelbfieber-Impfung wird gemäss den Empfehlungen in der Schweiz eine zweite Dosis nach 10 Jahren (bei erneutem Aufenthalt in einem Risikogebiet) empfohlen. 

Wie können Nebenwirkungen von Reiseimpfungen minimiert werden?
Grundsätzlich sind die meisten Impfungen sehr gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schmerzen am Ort der Impfungen, manchmal kann es auch zu Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Fieber kommen. Schwere Nebenwirkungen durch Impfungen sind extrem selten.

Wo finden Reisende in der Schweiz seriöse und aktuelle Impfberatung?
Schriftliche Informationen finden sich auf der Seite der Fachgesellschaft für Tropen- und Reisemedizin (www.healthytravel.ch). Reisemedizinische Beratungen können in reisemedizinischen Zentren gebucht werden. Einige HausärztInnen machen ebenfalls reisemedizinische Beratungen, teilweise auch Apotheken. Idealerweise wird die Beratung durch eine Person durchgeführt, die Erfahrung mit reisemedizinischen Beratungen hat. Wir sehen ab und zu auch Reisende, die falsche Informationen erhalten haben.

Ihr bester Tipp, um gut geschützt und entspannt in die Ferien zu starten?
Rechtzeitig planen und sich beraten lassen. 

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

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