Sonnenstich, Badeunfall oder Quallenstich: Am Strand können harmlose Beschwerden schnell zum medizinischen Notfall werden. Prof. Dr. Dr. med. Martin Müller, Leitender Arzt Universitätsklinik für Notfallmedizin am Inselspital Bern, erklärt, welche Warnzeichen ernst zu nehmen sind, wie die richtige Erste Hilfe aussieht und wann der Rettungsdienst alarmiert werden muss.
Folgende Fragen werden im Artikel geklärt:
- Welche medizinischen Notfälle treten am Strand oder beim Baden am häufigsten auf – und worauf sollten Reisende besonders achten?
- Welche Warnzeichen zeigen, dass aus einer harmlosen Beschwerde ein echter Notfall wird und sofort gehandelt werden muss?
- Was ist bei Hitze, Sonnenstich oder Hitzschlag die richtige Erste Hilfe – und welche Fehler sollte man vermeiden?
- Wie reagiert man richtig nach einem Beinahe-Ertrinken oder wenn jemand nach dem Schwimmen Atemprobleme entwickelt?
- Was ist bei Verletzungen durch Quallen, Seeigel, Petermännchen oder andere Meerestiere zu tun – und welche Hausmittel sind eher schädlich?
- Wie versorgt man typische Strandverletzungen wie Schnittwunden, Schürfwunden oder Muschelverletzungen richtig, um Infektionen zu vermeiden?
- Wie erkennt man eine schwere allergische Reaktion nach einem Insektenstich oder Kontakt mit Meerestieren – und wann muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden?
- Welche medizinischen Notfälle treten bei Kindern am Strand besonders häufig auf und worauf sollten Eltern besonders achten?
- Welche Gegenstände gehören unbedingt in eine gut ausgestattete Strand- oder Reiseapotheke, damit man für die häufigsten Notfälle vorbereitet ist?
- Welche vier wichtigen Tipps würden Sie jedem Badegast geben, um medizinischen Notfällen am Strand vorzubeugen?
- Der Experte
Herr Müller, welche medizinischen Notfälle treten am Strand oder beim Baden am häufigsten auf – und worauf sollten Reisende besonders achten?
An Stränden treten je nach Region und Bedingungen insbesondere Sonnenbrand, Sonnenstich und Hitzschlag, Schürfwunden, Verletzungen durch Meerestiere sowie Badeunfälle auf. Welche Ereignisse besonders häufig vorkommen, unterscheidet sich erheblich zwischen den einzelnen Küstenregionen. An spanischen Mittelmeerstränden waren beispielsweise Quallenstiche die häufigsten Verletzungen, die von Rettungsstationen behandelt wurden.
Badeunfälle können zum Ertrinken mit oder ohne Todesfolge führen. Durch Hitze besonders gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge und kleine Kinder sowie Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Reisende sollten längere Aufenthalte in der direkten Sonne und körperliche Anstrengungen während der heissesten Tageszeit vermeiden. Zudem empfiehlt es sich, regelmässig Schatten oder einen kühleren Ort aufzusuchen und ausreichend zu trinken.
Welche Warnzeichen zeigen, dass aus einer harmlosen Beschwerde ein echter Notfall wird und sofort gehandelt werden muss?
Warnzeichen für einen medizinischen Notfall sind:
- Grundsätzlich jede Störung von Bewusstsein, Atmung oder Kreislauf.
- Bei Hitze sprechen insbesondere Verwirrtheit, Koordinationsstörungen, Krampfanfälle, Kollaps oder Bewusstlosigkeit für einen Hitzschlag; eine Körpertemperatur über 40°C ist typisch, aber nicht zwingend.
- Nach einem Sonnenstich erfordern zunehmende Benommenheit, wiederholtes Erbrechen, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen sofortige Hilfe.
- Nach einem Badeunfall müssen Atemnot, anhaltender Husten, ungewöhnliche Erschöpfung oder bläuliche Lippen umgehend ärztlich beurteilt werden.
- Nach einem Stich können Atemnot, Heiserkeit, Zungen- oder Halsschwellung, starker Schwindel oder Kollaps auf eine schwere allergische Reaktion hinweisen.
In diesen Fällen sofort den Rettungsdienst alarmieren und vorhandene Notfallmedikamente anwenden.
Was ist bei Hitze, Sonnenstich oder Hitzschlag die richtige Erste Hilfe – und welche Fehler sollte man vermeiden?
Bei leichteren Hitzebeschwerden oder einem Sonnenstich sollte die betroffene Person sofort an einen kühlen, schattigen Ort gebracht werden. Enge Kleidung wird gelockert, anschliessend sollte sich die Person ausruhen. Bei einem Sonnenstich werden Oberkörper und Kopf erhöht gelagert sowie Kopf und Nacken gekühlt. Wasser oder ein elektrolythaltiges Getränk darf nur verabreicht werden, wenn die betroffene Person vollständig wach ist und sicher schlucken kann. Bei zunehmender Benommenheit, wiederholtem Erbrechen, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen muss der Rettungsdienst alarmiert werden.
Ein vermuteter Hitzschlag ist immer ein medizinischer Notfall. Nach dem Absetzen des Notrufs muss unverzüglich mit einer intensiven Ganzkörperkühlung begonnen werden. Dazu wird überschüssige Kleidung entfernt. Wenn es sicher möglich ist, kann der Körper in kaltes Wasser getaucht werden. Andernfalls wird er grosszügig mit kaltem Wasser benetzt und gleichzeitig mit Luft angefächelt oder mithilfe eines Ventilators gekühlt. Kopf und Atemwege müssen dabei jederzeit geschützt werden.
Ist die Person bewusstlos, atmet aber normal, wird sie in die stabile Seitenlage gebracht. Bei fehlender oder nicht normaler Atmung muss sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden. Dabei sollten die Anweisungen der Notrufzentrale befolgt werden.
Es sollte nicht auf eine Temperaturmessung gewartet werden. Auch fiebersenkende Medikamente sind bei einem Hitzschlag nicht geeignet. Einer benommenen oder erbrechenden Person darf nichts eingeflösst werden. Zudem ist Alkohol zu vermeiden, und die betroffene Person darf nicht allein gelassen werden. Die Sorge vor einer möglichen Unterkühlung darf die notwendige rasche Kühlung bei einem Hitzschlag nicht verzögern.
Wie reagiert man richtig nach einem Beinahe-Ertrinken oder wenn jemand nach dem Schwimmen Atemprobleme entwickelt?
Nach einem Badeunfall muss zuerst Hilfe gerufen werden. Bei der Rettung der in Not geratenen Person ist unbedingt auf die eigene Sicherheit zu achten. Wenn möglich, sollte sie mithilfe eines Rettungsmittels aus dem Wasser geholt werden. Anschliessend sind Bewusstsein und Atmung zu prüfen. Atmet die bewusstlose Person normal, wird sie in die stabile Seitenlage gebracht und fortlaufend überwacht. Bei fehlender oder nicht normaler Atmung ist sofort mit Wiederbelebungsmassnahmen zu beginnen; da beim Ertrinken Sauerstoffmangel im Vordergrund steht, sind Beatmungen besonders wichtig. Bei Säuglingen und Kindern gelten altersgerechte Techniken. Ungeübte Helfende sollten den Anweisungen der Notrufzentrale folgen.
Treten nach dem Schwimmen Atemnot, anhaltender oder zunehmender Husten, auffällig schnelle oder angestrengte Atmung, bläuliche Lippen, Verwirrtheit oder ungewöhnliche Erschöpfung auf, ist umgehend medizinische Hilfe erforderlich. Bei Säuglingen und Kleinkindern können auch Teilnahmslosigkeit, Reizbarkeit, Trinkverweigerung oder Erbrechen Warnzeichen sein. Die betroffene Person darf nicht allein gelassen werden. Es sollte nicht versucht werden, Wasser aus der Lunge zu entfernen, indem die Person geschüttelt, kopfüber gehalten oder Druck auf ihren Bauch oder Brustkorb ausgeübt wird. Atmet sie nicht normal, muss hingegen sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden.
Was ist bei Verletzungen durch Quallen, Seeigel, Petermännchen oder andere Meerestiere zu tun – und welche Hausmittel sind eher schädlich?
Bei Verletzungen durch Meerestiere sollte die betroffene Person zuerst das Wasser verlassen. Wenn möglich, ist eine örtliche Badeaufsicht oder eine medizinisch geschulte Person beizuziehen. Die verletzte Körperstelle sollte ruhig gehalten und die betroffene Person fortlaufend auf Veränderungen von Atmung, Kreislauf und Bewusstsein beobachtet werden.
Nach einem Quallenkontakt darf die Haut nicht gerieben werden. Sichtbare Tentakel werden mit einer Pinzette, Handschuhen oder anderweitig geschützten Händen vorsichtig abgehoben. Sofern örtliche Anweisungen nichts anderes vorgeben, wird die Stelle mit Meerwasser und nicht mit Süsswasser abgespült. Anschliessend kann sie zur Schmerzlinderung für 20 bis 45 Minuten in heisses, aber nicht verbrühendes Wasser von etwa 43 bis höchstens 45 °C getaucht werden. Heisses Süsswasser kann verwendet werden, nachdem verbliebene Tentakel und Nesselkapseln möglichst entfernt beziehungsweise mit Meerwasser abgespült wurden. Essig ist kein allgemeines Mittel gegen Quallenstiche. Bei Verdacht auf bestimmte gefährliche Würfelquallen kann das Übergiessen mit Essig vor dem Entfernen der Tentakel empfohlen werden. Bei der Portugiesischen Galeere beziehungsweise «Bluebottle» soll Essig hingegen nicht verwendet werden. Deshalb sind die Hinweise der örtlichen Rettungsdienste zu befolgen.
Bei Seeigelstichen wird die Wunde gespült und zur Schmerzlinderung ebenfalls mit heissem, nicht verbrühendem Wasser behandelt. Nur leicht zugängliche, oberflächliche Stacheln sollten vorsichtig entfernt werden. Tief sitzende oder abgebrochene Stacheln dürfen nicht herausgegraben werden und müssen insbesondere in der Nähe von Gelenken, Nerven oder Sehnen ärztlich beurteilt werden.
Stiche durch Petermännchen oder Rochen werden gespült, ruhiggestellt und mit heissem Wasser bis höchstens 45 °C behandelt. Eine zeitnahe medizinische Beurteilung ist angezeigt. Ein tief eingedrungener Stachel darf nicht selbst entfernt werden – besonders nicht am Kopf, Hals, Brustkorb oder Bauch. Blutungen werden durch Druck neben dem Fremdkörper gestillt.
Korallenverletzungen und Bisswunden, beispielsweise durch Muränen, müssen gründlich mit sauberem Wasser gespült werden. Sofern kein Fremdkörper in der Wunde steckt, können Blutungen durch direkten Druck gestillt werden. Anschliessend wird die Wunde steril abgedeckt. Bisswunden sowie tiefe, ausgedehnte oder stark verschmutzte Korallenverletzungen müssen wegen möglicher Infektionen und weiterer Gewebeschäden ärztlich untersucht werden. Bei Stich-, Biss- und stark verschmutzten Wunden ist zudem der Tetanusschutz zu überprüfen.
Zu vermeiden sind Urin, Alkohol, Reiben, Quetschen, Aufschneiden oder Aussaugen der Wunde sowie zu heisses Wasser. Bei Atemnot, Kreislauf- oder Bewusstseinsstörungen, Brustschmerzen, Krampfanfällen, starkem Erbrechen, schweren Blutungen, grossflächigen Verletzungen oder rasch zunehmender Schwellung muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden. Das gilt auch bei Stichen im Mund-, Hals- oder Augenbereich sowie nach einem unbekannten Stich in tropischen Gewässern.
Wie versorgt man typische Strandverletzungen wie Schnittwunden, Schürfwunden oder Muschelverletzungen richtig, um Infektionen zu vermeiden?
Schnitt- und Schürfwunden sowie Verletzungen durch Muscheln sollten zunächst von losem Sand und oberflächlichem Schmutz befreit und gründlich mit sauberem Leitungs- oder Trinkwasser gespült werden. Meerwasser eignet sich nicht zur Wundreinigung, da es Keime enthalten kann. Steckt ein grösserer Fremdkörper in der Wunde, sollte er nicht selbst entfernt werden.
Blutungen werden – sofern kein Fremdkörper in der Wunde steckt – mit einer sterilen Kompresse oder einem sauberen Tuch und gleichmässigem direktem Druck gestillt. Anschliessend wird die Wunde mit einer sterilen Wundauflage abgedeckt. Bei verschmutzten Wunden kann zusätzlich ein für offene Wunden geeignetes Antiseptikum nach Packungsanweisung verwendet werden. Alkohol und Wasserstoffperoxid gehören nicht in die Wunde, da sie das Gewebe schädigen und die Heilung beeinträchtigen können.
Tiefe, klaffende oder stichartige Wunden, festsitzende Fremdkörper, Gefühls- oder Bewegungsstörungen sowie starke oder anhaltende Blutungen müssen ärztlich beurteilt werden. Dabei sollte auch der Tetanusimpfschutz überprüft werden.
Solange die Wunde offen ist, sollte auf das Baden im Meer oder Brackwasser verzichtet werden. Lässt sich ein Wasserkontakt nicht vermeiden, muss die Wunde wasserdicht abgedeckt werden. Einen vollständigen Schutz bietet der Verband jedoch nicht.
Zunehmende Rötung, Schwellung, Überwärmung, Eiter, Fieber oder stärker werdende Schmerzen können auf eine Infektion hinweisen. Nach Meerwasserkontakt erfordern rasch zunehmende oder ungewöhnlich starke Schmerzen, eine sich ausbreitende Rötung, Hautverfärbungen oder Blasenbildung sofortige ärztliche Hilfe. Besonders gefährdet sind Menschen mit Lebererkrankungen, Diabetes oder geschwächtem Immunsystem.
Wie erkennt man eine schwere allergische Reaktion nach einem Insektenstich oder Kontakt mit Meerestieren – und wann muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden?
Eine schwere allergische Reaktion entwickelt sich meist innerhalb von Minuten, gelegentlich aber auch erst nach einigen Stunden. Warnzeichen sind:
- eine rasch zunehmende Schwellung von Lippen, Zunge oder Hals
- Heiserkeit
- Schluckbeschwerden
- anhaltender Husten
- pfeifende Atmung oder Atemnot
Auch grossflächige Quaddeln, Erbrechen oder Bauchkrämpfe können zusammen mit Atem- oder Kreislaufproblemen auf eine schwere allergische Reaktion hinweisen. Starker Schwindel, Verwirrtheit, Blässe, Kollaps oder Bewusstlosigkeit sind Schockzeichen. Hauterscheinungen können dabei fehlen.
Bei Atemwegsbeschwerden, Kreislaufproblemen oder einer rasch fortschreitenden Reaktion muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden. Ein vorhandener Adrenalin-Autoinjektor ist unverzüglich nach dem persönlichen Notfallplan anzuwenden. Antihistaminika und Kortison können Adrenalin nicht ersetzen. Betroffene dürfen nicht allein gelassen werden und sollten sich nicht aufrichten oder umhergehen. Das Notfallset und seine Anwendung sollten regelmässig überprüft und geübt werden.
Notrufnummern: In der Schweiz 144 (Sanität), in Europa 112. Ausserhalb Europas gelten lokale Notrufnummern – es empfiehlt sich, diese vor dem Urlaub auf dem Handy zu speichern.
Welche medizinischen Notfälle treten bei Kindern am Strand besonders häufig auf und worauf sollten Eltern besonders achten?
Bei Kindern sind am Strand vor allem Badeunfälle, Sonnenbrand und hitzebedingte Beschwerden, Schnitt- und Schürfwunden sowie Stiche oder allergische Reaktionen relevant. Besonders Kleinkinder können die Gefahr des Ertrinkens noch nicht erkennen und reagieren nach einem Sturz ins Wasser möglicherweise nicht mit gezielten Selbstrettungsbewegungen. Sie können deshalb nahezu regungslos und lautlos ertrinken, ohne zu rufen, zu winken oder auffällig zu strampeln.
Kinder müssen im und am Wasser ständig beaufsichtigt werden. Bei Kleinkindern und Nichtschwimmern sollte eine verantwortliche erwachsene Person immer in unmittelbarer Griffnähe bleiben. Schwimmhilfen und die Anwesenheit von Rettungsschwimmern ersetzen diese persönliche Aufsicht nicht.
Zusätzlich sollten Eltern für ausreichend Schatten, schützende Kleidung, eine Kopfbedeckung, einen hohen Sonnenschutz und regelmässiges Trinken sorgen. Auch heisse Oberflächen können eine Gefahr darstellen. Ungewöhnliche Reizbarkeit, Teilnahmslosigkeit, Trinkverweigerung, Erbrechen, auffällige Schläfrigkeit oder Atemprobleme sind Warnzeichen, die ernst genommen werden müssen.
Welche Gegenstände gehören unbedingt in eine gut ausgestattete Strand- oder Reiseapotheke, damit man für die häufigsten Notfälle vorbereitet ist?
Eine Strand- oder Reiseapotheke sollte an Reiseziel, Dauer, Aktivitäten und persönliche Erkrankungen angepasst sein. Unverzichtbar sind:
- regelmässig benötigte Medikamente in ausreichender Menge
- ein digitales Thermometer
- altersgerechte Schmerz- und Fiebermittel
- Elektrolytpulver
- gegebenenfalls Mittel gegen Reiseübelkeit
- Mittel für Allergiebeschwerden
Für Kinder müssen Dosierung und Darreichungsform zum Alter und Körpergewicht passen; eine Dosierspritze ist hilfreich. Bei bekannter schwerer Allergie gehören der persönliche Notfallplan und das vollständige Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor dazu.
Zur Wundversorgung sollten folgende Dinge mitgeführt werden:
- Einmalhandschuhe
- Pflaster in verschiedenen Grössen
- sterile Kompressen
- Fixierpflaster
- Mull- und elastische Binden
- ein geeignetes Wundantiseptikum
- Schere und Pinzette
Ergänzend sind:
- Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor
- Lippen- und Insektenschutz (Insektenstich‑Behandlungsstift)
- ausreichend Trinkwasser
Essig und Ohrentropfen gehören nicht grundsätzlich in jede Strandapotheke: Essig eignet sich nicht bei allen Quallenarten, und Ohrentropfen sollten nur bei konkreter medizinischer Empfehlung verwendet werden. Seeigelstacheln dürfen nur oberflächlich und leicht zugänglich entfernt werden; tiefsitzende Bruchstücke gehören in ärztliche Hände. Medikamente und insbesondere Adrenalin-Autoinjektoren müssen vor direkter Sonne, starker Hitze und Frost geschützt, aber nicht direkt auf Eis gelagert werden. Verfallsdaten und Dosierungen sollten vor der Reise kontrolliert werden.
Welche vier wichtigen Tipps würden Sie jedem Badegast geben, um medizinischen Notfällen am Strand vorzubeugen?
- Gut vorbereitet sein: Nehmen Sie eine an das Reiseziel angepasste Reiseapotheke mit, frischen Sie Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auf und informieren Sie sich über die örtliche Notrufnummer.
- Sonne und Hitze ernst nehmen: Schützen Sie sich mit geeigneter Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenschutzmittel. Suchen Sie regelmässig Schatten auf, trinken Sie ausreichend und verlegen Sie körperliche Aktivitäten in die kühleren Tageszeiten.
- Sicher baden: Baden Sie nach Möglichkeit an bewachten Stränden, beachten Sie Warnflaggen und gehen Sie nicht allein schwimmen. Kinder dürfen im und am Wasser niemals unbeaufsichtigt bleiben. Bei einem Rettungsversuch hat die eigene Sicherheit Vorrang.
- Verletzungen richtig versorgen: Offene Wunden mit sauberem Trinkwasser spülen. Bei Quallenstichen hingegen zunächst Meerwasser verwenden und die örtlichen Empfehlungen beachten. Bei schweren Beschwerden oder Notfallzeichen sofort den Rettungsdienst alarmieren.
Der Experte

Prof. Dr. Dr. med. Martin Müller
Leitender Arzt Universitätsklinik für Notfallmedizin am Inselspital Bern