Durchfall in den Ferien: Ursachen & Tipps vom Experten

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Adobe, Reisedurchfall
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Quelle: TCS MyMed

Herr Kahl, Reisedurchfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen in den Ferien. Warum trifft es so viele Reisende?

Reisedurchfall ist eine typischerweise während einer Reise auftretende infektiöse Erkrankung des Darms. Es trifft tatsächlich gar nicht so viele Personen; durchschnittlich erkranken ungefähr 30 Prozent der Reisenden. Vermehrt tritt Reisedurchfall bei Reisen in Regionen wie Asien, Afrika oder auch Südamerika auf, in anderen Regionen wie z.B. in Zentraleuropa erkranken deutlich weniger Reisende. Insbesondere spielen die hygienischen Standards des Reiselandes eine Rolle.

Welche Ursachen stecken in den meisten Fällen hinter Durchfall auf Reisen?

Erkrankt man auf einer Reise an einer Durchfallerkrankung, sind in der Regel Viren oder Bakterien die Ursache, die wir über das Trinkwasser, über die Nahrung oder durch Kontakt mit Erkrankten aufgenommen haben.

In welchen Regionen der Welt tritt Reisedurchfall besonders häufig auf?

Da insbesondere in Asien, in Afrika aber auch in vielen Ländern Südamerikas die Hygienestandards deutlich von unseren gewohnten abweichen, erkranken Menschen, die in diese Regionen reisen, häufiger an Durchfallerkrankungen als beispielsweise bei Reisen in Mitteleuropa.

Welche Hygieneregeln sollten Reisende beachten, um das Risiko für Magen-Darm-Infektionen zu reduzieren?

Insbesondere in den genannten Regionen (tatsächlich, aber natürlich überall und eigentlich auch zu Hause) sollte man Speisen oder auch Getränke vor dem Verzehr unbedingt abkochen oder abwaschen und wenn man Früchte isst, diese schälen. Es gibt eine umgangssprachliche Regel «Cook it, peel it or forget it: Kochen, Abschälen oder vergessen».

Welche Lebensmittel oder Getränke gelten als besonders riskant?

Hauptsächlich rohe Lebensmittel oder auch – besonders in heissen Regionen – Eiswürfel, die aus ungekochtem Wasser hergestellt sind, können ein Risiko darstellen. Auch die an der Strasse von Händlern verkauften und bei den Locals sehr beliebten Speisen können für Reisende risikoreich sein. Das soll nicht heissen, dass man diese grundsätzlich nicht essen sollte, doch mitunter können die hygienischen Bedingungen manchmal nicht so eingehalten werden, wie es wünschenswert wäre. 

Was sollten Reisende tun, wenn während der Reise plötzlich Durchfall auftritt?

Wer auf einer Reise an einer Durchfallerkrankung erkrankt, muss unbedingt darauf achten, viel Flüssigkeit und auch Elektrolyte (also Salze) zu sich zunehmen. Die Flüssigkeit sollte zuckerhaltig sein. Die «Hausmittel» Cola und Salzstangen helfen tatsächlich, sind aber keineswegs optimal. Besser ist eine sogenannte WHO-Lösung, die der oralen Rehydratation dient und eine definierte Mischung aus Salz, Wasser und Zucker ist. Will man sie selbst herstellen, nimmt man abgekochtes Wasser, fügt Haushaltszucker hinzu, ausserdem etwas Kochsalz (also Natriumchlorid) und Orangensaft (dieser enthält Kalium). Wenn nicht nur Durchfall auftritt, sondern auch Fieber, der Durchfall blutig ist oder aber die Durchfallerkrankung länger als zwei bis maximal drei Tage dauert, sollte man unbedingt eine ärztliche Fachperson aufsuchen.

Welche Medikamente sind bei Reisedurchfall sinnvoll – und welche gehören in jede Reiseapotheke?

Eine Durchfallerkrankung verschwindet typischerweise von allein, oft innerhalb weniger Tage wieder. Hält sie länger an, muss man ohnehin einen Arzt aufsuchen. Ich rate davon ab, Selbstmedikation zu betreiben. Kohlehaltige Medikamente, die stopfen und wie ein Schwamm Flüssigkeit, Bakterien und deren Toxine aufnehmen, können gleichzeitig die Ausscheidung von Erregern verhindern und so im ungünstigsten Fall zu einer Verlängerung der Durchfallerkrankung führen. Ausserdem kann es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geben oder deren Wirkung im ungünstigsten Fall abgeschwächt werden.

Wann sollte man bei Magen-Darm-Beschwerden im Ausland unbedingt ärztliche Hilfe suchen?

Ein Arzt oder eine Ärztin sollte aufgesucht werden, wenn die Durchfallerkrankung länger als zwei bis drei Tage anhält, wenn zudem Fieber auftritt, der Stuhlgang blutig ist oder man sich, beispielsweise wegen anderer Erkrankungen oder wegen der Strapazen der Reise, ohnehin geschwächt fühlt.

Welche besonderen Risiken bestehen für Kinder, ältere Menschen oder chronisch Kranke?

Kinder erkranken häufiger als Erwachsene an Durchfallerkrankungen, z.B. weil sie nicht so strikt auf die Einhaltung der Hygienerichtlinien achten. Häufig sind Kinder wieder schneller wieder fit. Andererseits besteht bei ihnen das Risiko eine viel stärkere Dehydratation (also einen erheblichen Flüssigkeitsmangel) zu entwickeln, wenn die Durchfälle heftig sind oder länger anhalten. Bei älteren Menschen kann eine Durchfallerkrankung zu einem Risiko werden, weil häufig Vorerkrankungen vorliegen, die den Reisenden ohnedies bereits schwächen oder weil durch die Durchfallerkrankung Medikamente nicht so resorbiert, also vom Körper aufgenommen, werden, wie dies eigentlich gedacht ist.

Welche Rolle spielt ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei Durchfallerkrankungen auf Reisen?

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist der Schlüssel zum Erfolg, Beim Auftreten einer Durchfallerkrankung muss man zügig ausreichende Flüssigkeitsmengen zu sich nehmen. Was «ausreichend» ist, hängt auch davon ab, wie stark der Durchfall ist. Auch die klimatische Region, in der man sich aufhält, hat Einfluss: In Ländern, in denen es besonders heiss ist, verliert man zusätzlich schon durch Schwitzen Flüssigkeit. Da können schnell mehrere Liter Flüssigkeitsersatz notwendig sein.

Welche häufigen Fehler machen Reisende bei der Behandlung von Reisedurchfall?

Die häufigsten Fehler sind ein zu spät begonnener Flüssigkeitsersatz, die zu schnelle Einnahme von Antibiotika oder die Einnahme von Mitteln, die die Darmtätigkeit lähmen und so die Ausscheidung der Keime, die die Durchfallerkrankung verursacht haben, hemmen. All dies verlängert die Durchfallerkrankung eher noch oder verschlimmert den Zustand des Reisenden.

Zum Abschluss: Was ist Ihr wichtigster Tipp, damit Reisende ihre Ferien trotz Magen-Darm-Problemen möglichst schnell wieder geniessen können?

Wie immer ist es besser, eine Erkrankung zu verhindern, als diese schnell zu behandeln. Der wichtigste Tipp ist also, auf die Hygienebasics zu achten, sich regelmässig die Hände zu waschen, nur abgekochtes Wasser zu trinken, Speisen vor dem Verzehr zu kochen und Früchte zu waschen. Ist man einmal erkrankt, sollte man schnell das Flüssigkeitsdefizit ausgleichen.

Stefan Kahl, Clarunis

 

Prof. Dr. Stefan Kahl, Clarunis – Universitäres Bauchzentrum Basel

Chefarzt Gastroenterologie

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

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