Autoscheiben halten UV-Strahlung nicht vollständig zurück. Besonders durch die Seitenscheiben können UVA-Strahlen ins Fahrzeug gelangen und die Haut bei regelmässiger Belastung langfristig schädigen. Dr. med. Hero P. D. Schnitzler vom derma competence center erklärt, wer besonders gefährdet ist, welche Hautveränderungen man ernst nehmen sollte und wie sich Fahrerinnen, Fahrer und Mitfahrende wirksam schützen können.
Folgende Fragen werden im Artikel geklärt:
- Wie viel UV-Strahlung gelangt durch Front- und Seitenscheiben eines Autos – und welche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Scheiben?
- Kann regelmässige, mehrstündige Sonneneinstrahlung während Autofahrten das Risiko für weissen Hautkrebs tatsächlich erhöhen?
- Sind Fahrerinnen und Fahrer oder Personen auf der Beifahrerseite besonders gefährdet – und zeigen sich Sonnenschäden deshalb häufiger auf einer bestimmten Gesichtshälfte?
- Welche Rolle spielt die über Jahre angesammelte UV-Belastung, wenn jemand häufig lange Strecken fährt oder regelmässig im Stau steht?
- Woran erkennt man möglichen weissen Hautkrebs im Gesicht, und bei welchen Hautveränderungen sollte man eine dermatologische Untersuchung vereinbaren?
- Sollte man vor längeren Autofahrten Sonnenschutzmittel auftragen – und welcher Lichtschutzfaktor sowie welcher UVA- und UVB-Schutz sind empfehlenswert?
- Welche zusätzlichen Schutzmöglichkeiten gibt es im Auto, etwa Kleidung, Sonnenblenden oder UV-Schutzfolien, und was ist dabei aus medizinischer Sicht sinnvoll?
- Wer sollte beim Autofahren besonders konsequent auf Sonnenschutz achten, und gilt dies auch im Winter oder an bewölkten Tagen?
- Der Experte
Herr Schnitzler, wie viel UV-Strahlung gelangt durch Front- und Seitenscheiben eines Autos – und welche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Scheiben?
Da ich weder im Fahrzeug- noch im Glasbau tätig bin, kann ich keine konkreten Messwerte zu den einzelnen Scheibentypen nennen. Grundsätzlich ist jedoch bekannt, dass Autoglas die UVB-Strahlung sehr zuverlässig herausfiltert. UVA-Strahlen können normales Glas hingegen teilweise durchdringen.
Dabei spielt die Bauart der Scheibe eine wichtige Rolle: Windschutzscheiben bestehen in der Regel aus Verbundglas und blockieren fast die gesamte UVB-Strahlung sowie einen grossen Teil der UVA-Strahlung. Seitenscheiben können je nach Glasart deutlich mehr UVA-Strahlung durchlassen. Wie hoch die tatsächliche Belastung im Fahrzeug ist, hängt deshalb unter anderem vom Fahrzeugmodell und von der Verglasung ab.
Kann regelmässige, mehrstündige Sonneneinstrahlung während Autofahrten das Risiko für weissen Hautkrebs tatsächlich erhöhen?
Ja. Wer beim Autofahren regelmässig über mehrere Stunden der Sonne ausgesetzt ist, kann dadurch sein Risiko für weissen Hautkrebs erhöhen. Dazu gehören Basaliome, Spinaliome und deren Vorstufen, die aktinischen Keratosen.
Im Auto ist vor allem die UVA-Strahlung von Bedeutung, da sie Seitenscheiben teilweise durchdringen und die Haut langfristig schädigen kann. Solche Schäden entstehen nicht durch eine einzelne Autofahrt, sondern durch die über Jahre angesammelte UV-Belastung. UV-Strahlung gilt als wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung dieser Hautkrebsarten.
Sind Fahrerinnen und Fahrer oder Personen auf der Beifahrerseite besonders gefährdet – und zeigen sich Sonnenschäden deshalb häufiger auf einer bestimmten Gesichtshälfte?
In Ländern mit Rechtsverkehr wie der Schweiz sind Fahrerinnen und Fahrer meist auf der linken Körperseite stärker der Sonneneinstrahlung durch das Seitenfenster ausgesetzt. Entsprechend können sich UV-bedingte Hautschäden und Hauttumoren häufiger auf der linken Gesichtshälfte sowie am linken Arm und Handrücken zeigen.
In Ländern mit Linksverkehr ist es umgekehrt: Dort ist in der Regel die rechte Körperseite der Fahrerin oder des Fahrers stärker betroffen. Grundsätzlich können jedoch auch Mitfahrende einer erhöhten UV-Belastung ausgesetzt sein – abhängig von Sitzplatz, Fahrtrichtung, Tageszeit und Dauer der Fahrt.
Welche Rolle spielt die über Jahre angesammelte UV-Belastung, wenn jemand häufig lange Strecken fährt oder regelmässig im Stau steht?
Die über Jahre angesammelte UV-Belastung spielt eine wichtige Rolle. Das gilt insbesondere für Menschen, die beruflich oder privat viel Zeit im Auto verbringen oder regelmässig im Stau stehen. Jede zusätzliche Stunde mit Sonneneinstrahlung durch das Seitenfenster erhöht die UV-Dosis, der die Haut im Laufe des Lebens ausgesetzt ist.
Für die Entstehung von weissem, sogenanntem keratinozytärem Hautkrebs besteht ein Zusammenhang mit der gesamten UV-Belastung. Dazu zählen Basaliome, Spinaliome und deren Vorstufen, die aktinischen Keratosen. Entscheidend ist somit nicht nur ein einzelner Sonnenbrand, sondern auch die wiederholte und langfristige Belastung der Haut.
Woran erkennt man möglichen weissen Hautkrebs im Gesicht, und bei welchen Hautveränderungen sollte man eine dermatologische Untersuchung vereinbaren?
Weisser Hautkrebs ist – anders als der Name vermuten lässt – nicht unbedingt weiss. Der Begriff dient vor allem der Abgrenzung vom schwarzen Hautkrebs, dem Melanom. Er umfasst verschiedene Hautkrebsarten, die überwiegend aus Zellen der Oberhaut, den sogenannten Keratinozyten, entstehen.
Mögliche Anzeichen sind rötliche, raue, schuppende oder knotige Hautveränderungen, die nicht abheilen und langsam grösser werden. Auffällig sind auch Stellen, die wiederholt Krusten bilden, ohne erkennbaren Grund bluten oder wie eine Wunde aussehen, die über längere Zeit nicht verheilt.
Neue, auffällige oder sich verändernde Hautstellen sollten dermatologisch abgeklärt werden. Dies gilt besonders für häufig der Sonne ausgesetzte Bereiche wie Gesicht, Ohren, unbehaarte Kopfhaut, Unterarme und Handrücken.
Sollte man vor längeren Autofahrten Sonnenschutzmittel auftragen – und welcher Lichtschutzfaktor sowie welcher UVA- und UVB-Schutz sind empfehlenswert?
Bei einer längeren Fahrt durch sonnige Gebiete ist es sinnvoll, Sonnenschutzmittel aufzutragen. Das gilt besonders für unbedeckte Hautstellen wie Gesicht, Ohren, Hals, Unterarme und Hände sowie bei Fahrten mit geöffnetem Seitenfenster oder offenem Verdeck. Ich empfehle einen hohen Lichtschutzfaktor von 50. Wichtig ist, eine ausreichende Menge aufzutragen und den Schutz bei Bedarf zu erneuern – insbesondere bei längeren Pausen, starkem Schwitzen oder wenn man sich zwischendurch im Freien aufhält.
Welche zusätzlichen Schutzmöglichkeiten gibt es im Auto, etwa Kleidung, Sonnenblenden oder UV-Schutzfolien, und was ist dabei aus medizinischer Sicht sinnvoll?
Grundsätzlich gelten im Auto ähnliche Schutzmassnahmen wie im Freien. Neben Sonnenschutzmitteln kann dicht gewebte, möglichst langärmlige Kleidung die Haut schützen. Sonnenblenden können direkte Blendung reduzieren, bieten aber keinen vollständigen Schutz vor seitlich einfallender UV-Strahlung.
Für die meisten Menschen dürften diese üblichen Schutzmassnahmen ausreichen. Wer jedoch sehr viel Zeit im Auto verbringt, beispielsweise als Berufskraftfahrerin oder Berufskraftfahrer, kann zusätzliche Schutzmöglichkeiten prüfen. Bei UV-Schutzfolien sollte man sich vor der Montage vergewissern, dass ihre Schutzwirkung zuverlässig geprüft wurde. Zudem müssen die in der Schweiz geltenden Vorschriften für Fahrzeugscheiben beachtet werden.
Wer sollte beim Autofahren besonders konsequent auf Sonnenschutz achten, und gilt dies auch im Winter oder an bewölkten Tagen?
Besonders konsequent sollten sich Menschen schützen, die sehr viel Zeit im Auto verbringen – beispielsweise Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer, Aussendienstmitarbeitende oder Personen, die regelmässig lange Strecken zurücklegen. Ein erhöhter Schutz ist auch für Menschen mit heller oder besonders sonnenempfindlicher Haut, bereits bestehenden UV-bedingten Hautschäden oder einer früheren Hautkrebserkrankung sinnvoll.
UVA-Strahlung ist das ganze Jahr über vorhanden und kann auch Wolken teilweise durchdringen. Sonnenschutz kann deshalb ebenfalls an bewölkten Tagen und im Winter sinnvoll sein – insbesondere bei langen Fahrten, intensiver Sonneneinstrahlung oder in höheren Lagen.
Wer unsicher ist, ob die Haut bereits UV-bedingte Veränderungen aufweist, kann bei einer Dermatologin oder einem Dermatologen einen Hautcheck vereinbaren. Dies ist insbesondere bei häufigen und langjährigen Autofahrten sowie bei neuen, auffälligen oder sich verändernden Hautstellen empfehlenswert.
Der Experte

Dr. med. Hero P. D. Schnitzler ist Gründer des derma competence center.
Fachgebiete
Dermatologie und Venerologie FMH, Lasermedizin FMCH, Allergologie – Deutscher Facharzt
Zusätzliche Spezialgebiete
Tropen- und Reisedermatologie | Dozent für ästhetische Lasermedizin D.A.L.M. Universität Greifswald | Ästhetische Medizin I Medizinische Kosmetologie | Anti-Aging-Medizin