Zecken sind in der Schweiz längst kein seltenes Problem mehr. Jedes Jahr infizieren sich Tausende Menschen mit Borreliose oder FSME – Tendenz steigend. Besonders wer gerne wandert, im Garten arbeitet oder Zeit im Wald verbringt, kommt immer häufiger mit den kleinen Parasiten in Kontakt.
Warum das Zeckenrisiko zunimmt, welche Regionen besonders betroffen sind und wie man einen Zeckenstich richtig behandelt, erklärt Werner Tischhauser, Vizepräsident der Liga für Zeckenkranke Schweiz, im Interview. Der Experte beantwortet die wichtigsten Fragen zu Zeckenstichen, Symptomen, Impfungen und wirksamen Schutzmassnahmen für Menschen, die viel draussen unterwegs sind.
Folgende Fragen werden im Artikel geklärt:
- Warum nimmt das Zeckenrisiko in der Schweiz zu und warum gibt es immer mehr Zecken?
- Wo gibt es 2026 die meisten Zecken in der Schweiz – welche Regionen sind besonders betroffen?
- Zeckenstich Symptome: Welche Anzeichen nach einem Stich sind harmlos – und welche gefährlich?
- Zecke richtig entfernen: Wie entfernt man eine Zecke sicher und ohne Fehler?
- Was tun nach einem Zeckenstich und wie lange hat man Zeit zu reagieren?
- Welche Krankheiten übertragen Zecken in der Schweiz am häufigsten?
- FSME oder Borreliose: Worin unterscheiden sich die Symptome der beiden Krankheiten?
- Wann sollte man nach einem Zeckenstich zum Arzt gehen?
- FSME-Impfung Schweiz: Wer sollte sich impfen lassen und wann ist eine Auffrischung nötig?
- Wie schützt man sich vor Zecken beim Wandern, im Garten oder im Wald?
- Zecken-Mythen: Welche Hausmittel bei Zeckenstiche sind gefährlich oder wirkungslos?
Herr Tischhauser, warum nimmt das Zeckenrisiko in der Schweiz zu und warum gibt es immer mehr Zecken?
Das Risiko für einen Zeckenstich und eine mögliche Infektion durch Zeckenkrankheiten entsteht immer dann, wenn zwei Faktoren zusammenkommen: aktive Zecken und Menschen, die sich in deren Lebensraum aufhalten. In der Fachsprache spricht man davon, dass Zecken auf einen sogenannten «Wirt» treffen – also einen Organismus, von dem sie Blut saugen, etwa Menschen oder Tiere.
Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine einfache Rechnung: Je mehr Zecken in einem Gebiet aktiv sind und je mehr Menschen sich gleichzeitig dort aufhalten, desto grösser wird das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden und sich allenfalls mit einem von Zecken übertragenen Krankheitserreger zu infizieren. In der Epidemiologie wird dies auch als Formel beschrieben: Hazard × Exposition = Risiko.
Die offiziellen Zahlen in der Schweiz werden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erhoben. Besonders gut dokumentiert sind die Infektionen mit dem FSME-Virus, das die Frühsommer-Meningoenzephalitis verursacht. Im Jahr 2025 wurde mit über 500 gemeldeten FSME-Infektionen mit schwerem Krankheitsverlauf ein neuer Höchstwert erreicht. Auch die Borreliose bleibt ein grosses Thema: Die geschätzten Fallzahlen liegen weiterhin bei rund 12'000 Neuinfektionen pro Jahr.
Ein wichtiger Grund für den Anstieg ist das Freizeitverhalten der Bevölkerung. Studien zeigen, dass immer mehr Menschen ihre Freizeit aktiv im Freien verbringen – beim Wandern, Joggen, Golfen, Gärtnern oder beim Pilzsammeln. Gleichzeitig führen gesellschaftliche Trends wie ein stärkeres Naturbewusstsein dazu, dass Menschen generell häufiger Zeit draussen verbringen. Wenn parallel dazu klimatische Veränderungen und Veränderungen in der Landschaft die Lebensbedingungen für Zecken verbessern, steigt zwangsläufig auch das Risiko für Zeckenstiche.
Wo gibt es 2026 die meisten Zecken in der Schweiz – welche Regionen sind besonders betroffen?
Die mit Abstand häufigste Zeckenart in der Schweiz ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Diese Zecke kommt in vielen Regionen des Landes vor.
Typische Lebensräume sind:
- Wälder im Schweizer Mittelland
- dichtes Unterholz
- Waldränder und Waldlichtungen
- feuchte Gebiete in der Nähe von Flüssen
- waldnahe Parkanlagen
Durch den Klimawandel breitet sich diese Zeckenart zunehmend auch in höhere Lagen aus. Heute findet man Zecken teilweise bereits über 1'500 Meter über Meer.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Zecken von Bäumen fallen. Das stimmt nicht. Zecken leben hauptsächlich in niedriger Vegetation nahe am Boden, zum Beispiel auf Gräsern, Sträuchern oder in der Krautschicht. Dort warten sie auf vorbeikommende Wirte wie Menschen oder Tiere.
Wo in der Schweiz Zecken besonders häufig vorkommen, zeigt die offizielle Zeckenkarte des Bundes.
Zeckenstich Symptome: Welche Anzeichen nach einem Stich sind harmlos – und welche gefährlich?
Direkt nach einem Zeckenstich kann es zu einer leichten Hautreaktion kommen, die einem Mückenstich ähnelt. Eine kleine Rötung oder leichte Reizung der Haut an der Einstichstelle ist in den ersten Tagen normal und meist unproblematisch.
Aufmerksam sollte man jedoch werden, wenn mehrere Tage nach dem Stich neue Symptome auftreten. Besonders typisch für eine Borreliose ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans), eine sich ausbreitende Hautrötung rund um die Einstichstelle. Auch Kopf- oder Gelenkschmerzen, grippeähnliche Beschwerden oder allgemeines Unwohlsein können Hinweise auf eine Infektion sein.
Treten solche Symptome etwa fünf oder mehr Tage nach dem Zeckenstich auf, sollte man vorsorglich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, um eine mögliche Infektion frühzeitig abzuklären.
Zecke richtig entfernen: Wie entfernt man eine Zecke sicher und ohne Fehler?
Zecken sollten möglichst rasch und korrekt entfernt werden. Dafür gibt es verschiedene geeignete Hilfsmittel wie Zeckenpinzetten, Zeckenhaken, Zeckenentfernungskarten oder spezielle Tools wie den Tick-Twister®. Welche Variante man verwendet, hängt vor allem davon ab, welches Werkzeug man gut handhaben kann.
Besonders geeignet ist eine spitz zulaufende Splitterpinzette aus Chromstahl. Von der Verwendung einer breiten Pinzette wird abgeraten, da dabei der Hinterleib der Zecke gequetscht werden kann. In diesem Fall könnten zusätzliche Krankheitserreger in den Körper gelangen. Die Zecke sollte möglichst hautnah gefasst und langsam sowie gleichmässig senkrecht herausgezogen werden. Ein abruptes Ziehen kann dazu führen, dass Teile der Zecke – etwa der Kopf – in der Haut stecken bleiben. Wenn kein Werkzeug zur Verfügung steht, kann die Zecke auch vorsichtig mit den Fingernägeln entfernt werden.
Nach dem Entfernen sollte die Einstichstelle mit einem Wunddesinfektionsmittel gereinigt werden. Zudem ist es sinnvoll, den Zeitpunkt und den Ort des Zeckenstichs zu notieren und die Stelle in den folgenden Tagen zu beobachten. Ein Foto der Einstichstelle kann ebenfalls hilfreich sein.
Quickcheck: Was tun nach einem Zeckenstich?
- Zecke sofort entfernen
- Stichstelle desinfizieren und beobachten
- Bei Symptomen zum Arzt
Was tun nach einem Zeckenstich und wie lange hat man Zeit zu reagieren?
Nach einem Zeckenstich gilt vor allem eine wichtige Regel: Die Zecke sollte so schnell wie möglich entfernt werden. Je länger sie Blut saugt, desto grösser ist das Risiko, dass Krankheitserreger übertragen werden.
FSME-Viren können bereits innerhalb weniger Minuten nach dem Stich übertragen werden. Bei Borreliose-Bakterien ist die Situation etwas anders: Sie werden in der Regel erst nach etwa 16 Stunden übertragen. Deshalb lohnt es sich, Zecken möglichst früh zu entdecken und zu entfernen. Wer sich viel draussen aufhält, sollte deshalb regelmässig einen Zecken-Check durchführen – während der Aktivität und auch danach.
Welche Krankheiten übertragen Zecken in der Schweiz am häufigsten?
In der Schweiz werden Zecken vor allem mit zwei Infektionskrankheiten in Verbindung gebracht: Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Beide Krankheiten werden durch Zeckenstiche übertragen, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihren Erregern, ihrem Verlauf und den Behandlungsmöglichkeiten.
FSME oder Borreliose: Worin unterscheiden sich die Symptome der beiden Krankheiten?
Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, von der in der Schweiz jedes Jahr etwa 12'000 Menschen betroffen sind. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Die wichtigste Vorbeugung besteht deshalb darin, Zeckenstiche möglichst zu vermeiden. Wird die Krankheit früh erkannt, kann sie gut mit Antibiotika behandelt werden.
FSME hingegen wird durch ein Virus verursacht. Pro Jahr werden in der Schweiz bis zu 500 Fälle registriert. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es gegen FSME eine wirksame Schutzimpfung. Allerdings kann das Virus nicht direkt mit Medikamenten bekämpft werden. Die Behandlung konzentriert sich daher darauf, die Symptome zu lindern.
Wann sollte man nach einem Zeckenstich zum Arzt gehen?
Für das Entfernen einer Zecke braucht es in der Regel keinen Arzt. Mit einer geeigneten Pinzette oder einem Zeckenwerkzeug lässt sich die Zecke normalerweise problemlos selbst entfernen. Sollte das nicht gelingen, kann auch das Personal einer Apotheke weiterhelfen.
Ein Arztbesuch ist jedoch ratsam, wenn einige Tage nach dem Stich eine auffällige Hautrötung entsteht oder grippeähnliche Beschwerden auftreten. Solche Symptome können auf Borreliose oder FSME hinweisen und sollten medizinisch abgeklärt werden.
FSME-Impfung Schweiz: Wer sollte sich impfen lassen und wann ist eine Auffrischung nötig?
Die FSME-Impfung wird in der Schweiz für Kinder ab drei Jahren sowie für Erwachsene empfohlen, die in Risikogebieten leben oder sich dort regelmässig aufhalten. Da praktisch die gesamte Schweiz als Risikogebiet gilt, betrifft diese Empfehlung fast alle Regionen des Landes – mit Ausnahme des Kantons Tessin.
Die Impfung bietet einen zuverlässigen Schutz vor FSME-Infektionen und ist besonders für Menschen sinnvoll, die viel Zeit im Freien verbringen, etwa beim Wandern, Arbeiten im Garten oder bei anderen Outdoor-Aktivitäten.
Wie schützt man sich vor Zecken beim Wandern, im Garten oder im Wald?
Wer gerne draussen unterwegs ist – sei es beim Wandern, im Wald, beim Pilzesammeln oder bei der Gartenarbeit – kann mit einigen einfachen Massnahmen das Risiko eines Zeckenstichs deutlich reduzieren.
Neben der FSME-Impfung empfiehlt es sich, bei Aktivitäten im Grünen lange und möglichst helle Kleidung zu tragen, die möglichst viel Haut bedeckt. Zusätzlich können Zeckenrepellents (Zeckensprays) verwendet werden. Viele Outdoor-Aktive packen ausserdem eine spitze Splitterpinzette in ihre Wander- oder Reiseapotheke, um eine Zecke im Notfall sofort entfernen zu können.
Während längerer Aufenthalte im Freien lohnt es sich, zwischendurch einen kurzen Zecken-Check zu machen. Dabei entdeckt man häufig Zecken, die noch auf der Kleidung krabbeln und sich leicht entfernen lassen. Auch am Abend – zum Beispiel beim Duschen – sollte der Körper sorgfältig kontrolliert werden. Wird eine Zecke erst dann entdeckt, ist die Übertragung von Borrelien oft noch nicht erfolgt, da sie in der Regel erst nach etwa 16 Stunden stattfindet. Gegen FSME-Viren schützt jedoch nur die Impfung, da diese bereits beim Stich übertragen werden können.
Weitere Informationen rund um die Zeckenprävention finden Sie hier.
Zecken-Mythen: Welche Hausmittel bei Zeckenstiche sind gefährlich oder wirkungslos?
Rund um Zecken kursieren zahlreiche Mythen und Hausmittel, die nicht nur wirkungslos, sondern teilweise sogar gefährlich sein können.
- Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass Zecken von Bäumen auf Menschen fallen. Tatsächlich halten sich Zecken meist in Bodennähe auf und warten auf Gräsern, Sträuchern oder in der Krautschicht auf einen vorbeikommenden Wirt.
- Ebenso falsch ist der Rat, eine Zecke vor dem Entfernen mit Öl, Butter oder Klebstoff zu behandeln. Diese Stoffe führen dazu, dass die Zecke langsam erstickt und im Todeskampf vermehrt Viren und Bakterien abgeben kann. Dadurch steigt das Risiko einer Infektion.
- Auch die Vorstellung, dass man sich nur in sogenannten Risikogebieten infizieren kann, stimmt so nicht. Zwar zeigen Karten oft die FSME-Risikogebiete, doch grundsätzlich gilt: Überall dort, wo Zecken vorkommen, können sie Krankheitserreger übertragen.
- Schliesslich sind Zecken auch nicht nur im Sommer aktiv. Sobald Temperatur und Feuchtigkeit stimmen – typischerweise bei etwa 10 bis 20 Grad Celsius – können Zecken aktiv sein. Deshalb reicht die Zeckensaison in der Regel vom Frühling bis in den Herbst.
- Und noch ein wichtiger Punkt: Die FSME-Impfung schützt nur vor FSME. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Deshalb bleiben Schutzkleidung, Zeckensprays und regelmässige Zeckenkontrollen weiterhin die wichtigsten Schutzmassnahmen.
Sie wollen mehr über Zecken wissen? Dann finden Sie hier den Link zum Downloaden der App «Zecke»: