Malaria – was Reisende aus der Schweiz wissen sollten

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Adobe, Malaria
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Quelle: TCS MyMed

Malaria gilt oft als tropische Krankheit, die für Reisende aus Europa kaum eine Rolle spielt. Doch das stimmt nicht: Auch in der Schweiz werden regelmässig Malariafälle bei Menschen diagnostiziert, die sich während einer Reise durch eine infizierte Mücke angesteckt haben. Worauf Reisende achten sollten, warum Fieber nach einem Aufenthalt in den Tropen ein medizinischer Notfall ist und wie man sich am besten schützt, erklärt Dr. Sabine Haller, Oberärztin mbF und Leiterin Tropen- und Reisemedizin am HOCH Health Ostschweiz, Kantonsspital St. Gallen, im Interview.

Folgende Fragen werden im Artikel geklärt:

Risiko für Reisende

Frau Haller, betrifft Malaria heute noch häufig Reisende aus der Schweiz?

Ja, auch heute werden in der Schweiz regelmässig Malariafälle diagnostiziert, etwa 300 bis 400 pro Jahr. Dabei handelt es sich um sogenannte importierte Fälle. Das bedeutet, dass sich die Betroffenen während einer Reise in einem Malariagebiet angesteckt haben und die Krankheit erst nach ihrer Rückkehr in der Schweiz festgestellt wird.

Auffällig ist dabei ein wiederkehrendes Muster: Die meisten Erkrankungen betreffen Personen, die sich in Regionen mit hohem Malariarisiko aufgehalten haben, ohne eine empfohlene Malariaprophylaxe einzunehmen. Oft fehlt zusätzlich ein konsequenter Schutz vor Mückenstichen. Beides zusammen schützt gut vor einer Infektion mit Malaria.

Welche Länder oder Regionen stellen das grösste Risiko dar?

Besonders hoch ist das Malariarisiko in Westafrika. Generell gilt Afrika südlich der Sahara als Region mit der intensivsten Malariaübertragung weltweit.

Weitere Risikogebiete sind:

  • Teile Mittel- und Südamerikas, insbesondere das Amazonasgebiet
  • Süd- und Südostasien

Das tatsächliche Risiko hängt vom konkreten Reiseziel, der Aufenthaltsdauer, der Jahreszeit und der Art der Reise ab.

Welche häufigen Irrtümer gibt es in Bezug auf Malaria bei Reisen?

Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, Malaria sei keine ernstzunehmende Erkrankung. Tatsächlich kann sie jedoch sehr schwer verlaufen und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Gewisse Personen, zum Beispiel Kinder und Schwangere, sind besonders gefährdet.

Wichtig ist die rasche Abklärung und Therapie, damit eine Malaria möglichst ohne Komplikationen geheilt werden kann.

Welche ersten Anzeichen sollten nach einem Aufenthalt in einem tropischen Gebiet auf eine mögliche Infektion aufmerksam machen?

Das wichtigste Warnsignal ist Fieber. Wenn nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet plötzlich Fieber auftritt, sollte immer auch an eine mögliche Malariainfektion gedacht werden.

Weitere häufige Symptome sind:

  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schüttelfrost
  • starkes Krankheitsgefühl
  • Übelkeit

Diese Beschwerden sind jedoch unspezifisch und können auch bei vielen anderen Infektionskrankheiten auftreten. Gerade deshalb ist es wichtig, bei Fieber nach einer Tropenreise schnell medizinische Hilfe zu suchen.

Warum gilt Fieber nach einer Reise in ein Risikogebiet als medizinischer Notfall?

Fieber nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet wird als medizinischer Notfall betrachtet, weil eine Malaria sehr schnell sehr schwer verlaufen kann. Ohne rasche Diagnose und Behandlung können innerhalb kurzer Zeit schwere Komplikationen auftreten.

Zudem gibt es neben Malaria noch weitere, seltenere, aber ebenfalls potenziell schwere tropische Infektionskrankheiten, die mit Fieber beginnen können. Eine rasche medizinische Abklärung ist deshalb entscheidend.

Wie lange nach der Rückkehr kann Malaria noch auftreten?

Typischerweise treten die ersten Symptome innerhalb weniger Wochen nach der Infektion auf. Viele Erkrankungen beginnen deshalb bereits während der Reise oder kurz nach der Rückkehr.

In selteneren Fällen kann eine Malaria jedoch auch Wochen oder Monate nach der Rückkehr auftreten. Deshalb ist es wichtig, Ärztinnen und Ärzten auch noch lange nach einer Reise mitzuteilen, dass man sich zuvor in einem Malariagebiet aufgehalten hat.

Schwerer Verlauf und Behandlung

Warum kann Malaria rasch gefährlich werden?

Malaria wird durch Parasiten verursacht, die sich im menschlichen Körper schnell vermehren. Sie befallen rote Blutkörperchen und damit auch verschiedene Organe. Dadurch kann es zu schweren Störungen im gesamten Organismus kommen. Komplikationen können beispielsweise das Gehirn, die Nieren oder andere lebenswichtige Organe betreffen. 

Ist die Krankheit bei frühzeitiger Diagnose gut behandelbar?

In den meisten Fällen lässt sich Malaria bei frühzeitiger Diagnose gut behandeln. Es stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, die die Parasiten im Körper abtöten.

Dennoch kann es auch bei rechtzeitiger Behandlung zu schweren Krankheitsverläufen kommen, insbesondere bei bestimmten Malariaformen. Umso wichtiger ist eine möglichst schnelle Diagnose.

Kann es Monate nach der Infektion zu Rückfällen kommen?

Ja, Rückfälle sind möglich. Sie können auftreten, wenn die ursprüngliche Infektion nicht vollständig behandelt wurde. In solchen Fällen können Parasiten im Körper verbleiben und später erneut Symptome verursachen.

Prävention vor und während der Reise

Wer sollte sich vor einer Reise in ein Risikogebiet unbedingt beraten lassen?

Grundsätzlich sollten sich alle Reisenden vor einer Reise in ein Malariagebiet reisemedizinisch beraten lassen.

In einer solchen Beratung wird individuell beurteilt:

  • wie hoch das Malariarisiko am Reiseziel ist
  • ob eine Malariaprophylaxe empfohlen wird
  • welche Schutzmassnahmen sinnvoll sind

Dabei werden Faktoren wie Reiseroute, Aufenthaltsdauer, Unterkunftsart und persönliche Gesundheitsfaktoren berücksichtigt.

Sind vorbeugende Medikamente wirklich notwendig und gut verträglich?

In Regionen mit einem hohen Risiko für schwere Malaria wird eine medikamentöse Malariaprophylaxe empfohlen. Diese Medikamente sind sehr wirksam und werden normalerweise gut vertragen. Welche Prophylaxe für welche Reise geeignet ist, wird im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung festgelegt.

Eine sehr wichtige Komponente beim Schutz vor Malaria ist ein konsequenter Mückenschutz. Dieser schützt zusätzlich auch vor anderen von Mücken übertragenen Infektionen.

Dazu gehören:

  • Mückensprays für die Haut mit geeignetem Wirkstoffen
  • lange Kleidung, wenn möglich mit Insektenschutzmittel imprägniert
  • Mücken-Bettnetze

Wenn Sie Reisenden nur einen einzigen wichtigen Rat geben könnten – welcher wäre das?

Grundsätzlich ist der wichtigste Rat für jede Reise in südliche Länder: Konsequenter Mückenschutz. Dieser schützt nicht nur vor Malaria, sondern auch vor zahlreichen anderen Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden. Dazu gehören beispielsweise Dengue, Chikungunya, Zika und weitere Infektionen, die in vielen tropischen Regionen vorkommen.

Wer sich effektiv vor Mückenstichen schützt, reduziert gleich sein Risiko für mehrere Infektionen – und leistet damit den wichtigsten Beitrag zu einer gesunden Reise.

Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.

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