Notfallprofessor im Coronavirus-Interview: Gibt es genug Beatmungsplätze?



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Quelle: TCS MyMed


Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus kann gemäss dem Robert Koch-Institut und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) zu Symptomen wie Fieber, trockenem Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit führen – auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen und Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden an Übelkeit und Durchfall. Die Krankheitsverläufe variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod.

Prof. Dr. med. Aristomenis Exadaktylos ist Chefarzt und Direktor des universitären Notfallzentrums und Co-Präsident der schweizerischen Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin. Im Interview mit TCS-MyMed.

Herr Exadaktylos, wie zeigen sich die Auswirkungen derzeit auf Ihrer Notfallstation am Inselspital?
Das Inselspital und das universitäre Notfallzentrum haben über die letzten Wochen extensive Vorbereitungen getroffen, so dass die Situation derzeit unter Kontrolle ist

Viele Schweizerinnen und Schweizer getrauen sich kaum mehr die ÖV zu nutzen oder einen Kaffee trinken zu gehen, wie beruhigen Sie solche Leute?
Solange die vom Bundesamt für Gesundheit und dem gesunden Menschenverstand empfohlenen Massnahmen eingehalten werden, kann ein gesellschaftliches und soziales Leben mit den Umständen entsprechenden Einschränkungen weitergehen.

Weiss man schon, ob es bei durchgemachter Corona-Infektion zu Spätfolgen kommen kann – zum Beispiel Leberschäden oder zu Reaktivierungen, so wie es bei Lippen-Herpes der Fall ist?
Nein, diese Informationen werden wir erst in den nächsten Wochen und Monaten haben.

Ist es theoretisch möglich, dass jemand, der sich vom Virus erholt hat, andere trotzdem noch anstecken kann?
Wenn man die vom Bundesamt für Gesundheit empfohlene Quarantäne einhält und nicht mehr subjektiv und objektiv krank ist, also zum Beispiel Fieber, starker Husten und Schnupfen vorbei sind, dann sollte die Ansteckungsgefahr gering sein.

Könnte das Virus noch für negative Überraschungen sorgen, zum Beispiel aggressiver werden?
Danach sieht es im Moment eher nicht aus, aber Virusspezialisten aus aller Welt beobachten die Entwicklung. Ein Problem ist, dass im Moment auch noch Grippesaison herrscht, welche unser Immunsystem zusätzlich schwächen kann.

Im schlimmsten Fall muss ein Patient künstlich beatmet werden. Was, wenn diese Beatmungsplätze knapp werden?
Auch hier wurde vorgesorgt im Rahmen der statistischen Modelle. Die Schweiz verfügt über ein enges Netz an öffentlichen und privaten Spitälern mit Intensivstationen und gut ausgebildetem medizinischem und medizintechnischem Personal, welchem ich an dieser Stelle schon meinen Dank aussprechen möchte.

Was halten Sie von einer «kontrollierten Coronavirus-Durchseuchung», so wie aktuell viel darüber debattiert wird?
Das ist wie Feuer mit Feuer zu löschen, dafür braucht es enorme Erfahrungen und diese haben wir nicht. Das Virus wird sich seinen Weg suchen. Unsere Aufgabe ist es, die medizinischen Auswirkungen auf die Gesellschaft zu minimieren.

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