World Economic Forum lanciert eine Coronavirus-Plattform



CoronaReisenews

Quelle: TCS MyMed


Ryan Morhard ist Leiter der Covid Action Plattform des World Economic Forum. Ein Gespräch mit TCS MyMed.

Herr Morhard, warum lanciert das World Economic Forum eine Covid Action Plattform?
Die Ausbreitung von COVID-19 stellt eine nie dagewesene Krise dar, die eine nie dagewesene Zusammenarbeit erfordert. Die Covid Action Plattform soll die Grössenordnung und Geschwindigkeit öffentlich-privater Kooperationen stärken, damit Menschenleben gerettet und Existenzgrundlagen gesichert werden können.

War die Welt mit ihren bestehenden politischen und wirtschaftlichen Strukturen auf die COVID-19-Krise vorbereitet?
Zweifellos waren wir zu Beginn dieser Pandemie unzureichend vorbereitet. Gleichwohl wurden in den letzten Jahren wichtige Fortschritte erzielt, so dass wir, trotz bedenklicher Lücken, weltweit nicht bei null anfangen mussten.

Woran müssen die Nationen arbeiten, um künftig koordiniert und einheitlich auf eine sicherheitsrelevante Gesundheitskrise zu reagieren?
Insgesamt wurde die Stärkung des weltweiten Gesundheitsschutzes eher vernachlässigt – ausser, wenn dringender Handlungsbedarf bestand. Ich hoffe sehr, dass dies nach dieser Pandemie nicht wieder der Fall sein wird.

Wo steht die Wissenschaft betreffend ihrer Reaktionsgeschwindigkeit zur Bekämpfung neuartiger Krankheiten?
Durch die Fortschritte in Wissenschaft und Forschung sind wir besser als je zuvor darauf vorbereitet, neue Infektionskrankheiten zu bekämpfen. Eine zuverlässige Zusammenarbeit ist jedoch unabdingbar, um zu gewährleisten, dass diese Fortschritte in entsprechender Grössenordnung und Geschwindigkeit umgesetzt werden. Wir müssen anerkennen, dass jeder Ausbruch oder jede Epidemie, egal an welchem Ort, ein gesundheitliches, wirtschaftliches und ein Sicherheitsrisiko für die ganze Welt bedeutet.

Wie stellen Sie sich einen globalen Notplan für künftige Pandemien vor?
Das kann man heute schwer abschätzen. Doch wir können sicher sein, dass künftige Pläne die Erkenntnisse aus der aktuellen Reaktion widerspiegeln werden. Zwar sind Ausbrüche letztlich unausweichlich, doch Pandemien sind in gewisser Hinsicht vermeidbar.

Wie steht es aktuell um die WEF Initiative, im Rahmen derer 1000 Milliarden Bäume gepflanzt werden sollen, um die Welt CO2-neutraler zu machen?
Zunächst möchte ich richtigstellen, dass 1t.org (die Plattform 1 Billion Bäume) zum Ziel hat, bis 2030 den Schutz, die Aufforstung und die Züchtung von einer Billion Bäume zu unterstützen. Es geht also nicht nur darum, Bäume zu pflanzen. Stattdessen lautet das Ziel der Plattform, die weltweite Aufforstungsgemeinschaft zu vernetzen, zu stärken und zu mobilisieren sowie ihr Potenzial zu entfalten, in nie dagewesener Grössenordnung und Geschwindigkeit zu handeln, um die weltweite Wiederaufforstung und den Schutz von Wäldern in deutlich grösserem Umfang zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, müssen wir die Systeme verändern und sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor tätig werden. Das World Economic Forum ist die bekannteste Institution für öffentlich-private Kooperationen und setzt sich seit Jahrzehnten für diese Art der Zusammenarbeit ein, welche die Wiederaufforstung und den Schutz unserer Wälder erfolgreich fördert.

Wird das World Economic Forum dieses Jahr wie gewohnt stattfinden oder arbeiten Sie bereits an einem Digital-WEF?
In der aktuellen Situation ist es noch zu früh, um diese Frage abschliessend zu beantworten. Selbstverständlich bereitet das World Economic Forum dieses Jahr verschiedene Optionen vor, zu denen etwa die Durchführung des Forums in kleinerem Format gehört.

Was erhoffen Sie sich vom diesjährigen WEF?
Die Zusammenarbeit und Einbeziehung aller Interessengruppen ist wichtiger denn je. 2021 werden sicherlich der Schutz von Gesundheit und Wirtschaft im Zusammenhang mit COVID-19 und die Vorbereitungen auf eine Welt nach COVID zentrale Themen darstellen.

Für viele Menschen gilt das WEF als das Treffen einer abgehobenen globalen Elite – was entgegnen Sie?
Im Mittelpunkt des Treffens steht die Zusammenarbeit. Ganz gleich, ob wir Menschenleben und Existenzgrundlagen vor COVID-19 schützen, naturnahe Lösungen zur Einhaltung des Pariser Abkommens finden oder eine florierende, inklusive und gerechte Wirtschaftsordnung fördern wollen, um Fortschritte zu erzielen, müssen Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. In Bezug auf die aktuelle Gesundheitskrise fällt auf, dass drei entscheidende Organisationen (Gavi, die Impfallianz, der Globale Fonds und die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI)) in Davos begründet wurden, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen.

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