Coronavirus: Herz-Spezialist Professor Roberto Corti warnt vor verpassten Herzinfarkten



CoronaReisenews

Quelle: TCS MyMed


Prof. Dr. med. Roberto Corti ist Facharzt für Kardiologie und Innere Medizin an der HerzKlinik Hirslanden in Zürich. Im Interview mit TCS MyMed.

Herr Professor Corti, derzeit müssen Eingriffe beschränkt werden, geht Ihnen die Arbeit aus?
Wir müssen uns an die Richtlinien des Bundes und des Kantons halten, und so werden bei uns nun über 50 Prozent weniger Eingriffe gemacht. Im Moment konzentrieren wir uns ausschliesslich auf notwendige Eingriffe wie zum Beispiel Herzinfarkte oder dringliche Herzoperationen.

Zu welchen Konsequenzen führt die Unterlassung der Eingriffe in Ihrer Abteilung?
Ich bin viel mehr am Telefon und im interdisziplinären Austausch mit meinen Kollegen. Wir müssen sorgfältig evaluieren, wer wann welchen Eingriff braucht – denn verpasst man den richtigen Zeitpunkt, leiden die Patienten und könnten sogar sterben. Wir entscheiden das teilweise anhand von Studien und anderen Parametern, doch eine Kristallkugel haben wir leider nicht und somit haben wir nie die 100-prozentige Sicherheit. Das sind also auch für uns sehr schwierige Entscheidungen. 

Inwiefern zeigen sich Ihre Patienten verunsichert?
Wir beobachten, dass viele Patienten grosse Mühe haben, ins Spital zu kommen. Sie haben Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Diese Haltung ist sehr gefährlich und macht uns Sorgen. Es bleibt dabei: Wenn Beschwerden, wie zum Beispiel Brustschmerzen und Atemnot zunehmen, dann sollte man keine Hemmungen haben und sich unverzüglich melden. Das Risiko eines verpassten Eingriffs kann sehr gross sein und ist unter Umständen schlimmer als eine Coronavirus-Infektion. 

Es gibt derzeit aber doch weniger Herzinfarkte oder Hirnschläge. Ist dem so, weil die Menschen weniger Stress haben und zu Hause sind?
Die Leute sind nicht einfach so gesünder. Klar, die körperliche Aktivität hat abgenommen, aber ich glaube nicht, dass auch der Stress abgenommen hat. Im Gegenteil: Viele Leute sind sehr gestresst durch die Umstände. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich die Menschen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus mit ihren Herz- oder Hirnbeschwerden nicht mehr auf die Notaufnahme trauen … und das ist beunruhigend! Denn werden diese Erkrankungen verschleppt und nicht rechtzeitig behandelt, kann es rasch lebensbedrohlich werden.

Wozu raten Sie zurzeit Patienten, die an einer Herz-Kreislauf-Vorerkrankung leiden?
Wie schon erwähnt, wenn die Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder Schwindel zunehmen, dann müssen sich die Patienten melden. Wir von der HerzKlinik Hirslanden sind auch während der Corona-Krise für alle akuten Herzprobleme da! 

Kommt hier auch die Telemedizin zum Einsatz?
In wenigen Fällen schon. Zum Beispiel bei Herzrhythmusstörungen versuchen wir, mit Telemedizin zu arbeiten. Die Patienten erhalten einen Sender und wir können sie für eine oder zwei Wochen vom Spital aus beobachten. Und ich bin momentan mehr als sonst auch beratend am Telefon tätig. 

Viele Patienten, die Blutdrucksenker einnehmen, sind zurzeit beunruhigt, ob sie diese bedenkenlos weiter einnehmen können. Denn in einigen Medienberichten wird vermutet, dass Herzmedikamente wie ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartane) eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 begünstigen.
Es gibt diese Annahmen, jedoch keine belastbaren klinischen Daten dazu, daher sollten Patienten diese Blutdrucksenker nicht eigenständig absetzen. Wir beraten Patienten gerne bei Unsicherheiten.

Hirslanden Healthline
Die Hirslanden-Gruppe stellt eine telefonische Patienten-Helpline unter der Telefonnummer 0848 333 999 zur Verfügung, an die sich alle Patientinnen und Patienten rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche wenden können, wenn sie Fragen haben oder medizinische Hilfe benötigen.

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